Tag: Rechte

Der Stalker

Die Mode­blog­gerin Mary Scherpe wird von einem Stalk­er belästigt. Der Berlin­er Schrift­steller Malte Weld­ing fasst es so in Worte:

Beina­he jeden Tag muss sie zur Post, weil dort Päckchen liegen, die der Täter für sie bestellt hat. Beina­he jede Nacht kom­men Kurzbotschaften auf ihr Handy, beina­he jeden Tag ruft jemand an und legt auf.

Dage­gen hat Mary Scherpe einen Blog angelegt, in dem sie die Tat­en pro­tokol­liert. Immer­hin hat der Stalk­er sich inzwis­chen von Twit­ter abgemeldet. Es scheint dem­nach eine Wirkung zu haben, sich so dage­gen zu wehren.

Was Facebook von dir weiß

The Wall Street Jour­nal hat sich aktuell mit der Frage beschäftigt, was Face­book so an Dat­en sam­melt, denn in den USA ist wohl ger­ade eine größere Wer­bekam­pagne vom Stapel gerollt. Nicht ohne Grund, wie die Zeitung meint.

In Kurz­form find­et man ihr Ergeb­nis auf dieser Grafik abge­bildet. Face­book weiß, welch­es Handy ein Nutzer besitzt und möglicher­weise, was er wo wann einkauft, Face­book kann öffentliche Dat­en und Dat­en aus dem Cache des Browsers, den ein Nutzer ver­wen­det, auswerten. Solange ein Nutzer in Face­book ein­gel­og­gt ist, und der Nutzer Inter­net­seit­en mit Face­book-Ban­nern besucht, kann Face­book auch wis­sen, wo ein Nutzer aktu­all ger­ade im Inter­net surft.

Heise.de schreibt hierzu:

Face­book gibt seinen Wer­bekun­den in den USA die Möglichkeit, Ziel­grup­pen für ihre Anzeigen noch präzis­er anzus­prechen. Sie kön­nten kün­ftig zum Beispiel gezielt Wer­bung für Face­book-Mit­glieder schal­ten, die Früh­stücks­flock­en für Kinder kaufen oder sich in den kom­menden Monat­en wahrschein­lich einen neuen Klein­wa­gen zule­gen werden

Man kann dem allerd­ings schon gut ent­ge­gen treten, indem man Face­book unter Pseu­do­nym ver­wen­det, für Einkäufe im Inter­net eine andere E-Mail-Adresse ver­wen­det als für Face­book und das Brows­er-Cache öfters leert.

In den USA ist das The­ma etwas bren­nen­der, da Face­book dort mehr Kon­tak­te zu Fir­men hat, mit deren Dat­en man sich aus­tauscht. Zudem sind die Amerikan­er nicht so sen­si­bel, was Daten­schutz ange­ht und ver­wen­den Wer­bung block­ierende Pro­gramme wie Adblock Plus weniger.

Vorsicht beim Reagieren auf Internet-Abmahnschreiben

Wer ein Inter­net-Abmahn­schreiben erhält, dem ist wom­öglich nicht klar, dass er den entschei­den­den Fehler in dieser Angele­gen­heit erst noch bege­ht und nicht schon began­gen hat.

Beim Erhalt von Abmahn­schreiber sofort IT-Anwalt kontaktieren

Abmahn­schreiben bein­hal­ten in der Regel Vor­würfe an eine Per­son. Bezüglich Inter­ne­tan­gele­gen­heit­en geht es dabei meist um das unrecht­mäßige Zur-Ver­fü­gung-Stellen von Dateien. Mit diesen Vor­wür­fen sollte man sich am besten direkt an einen Anwalt, der spezial­isiert auf Rechts­fra­gen rund ums Inter­net, einen soge­nan­nten IT-Anwalt, wen­den. Es ist nicht rat­sam, dem Ver­fass­er zunächst irgen­det­was anderes zu schreiben, als dass man sich an einen Anwalt wen­den werde und sich zurück­melden würde.

Das Prob­lem bei Antworten an der­ar­tige Abmah­nungs­versender ist, dass man in juris­tis­ch­er Hin­sicht für ein möglich­es Ver­fahren rel­e­vante Aus­sagen trifft. Wenn man z.B. schreibt, man würde einen Anwalt kon­tak­tieren, aber für den Fall ein­er Zahlung gerne in Rat­en zahlen, stimmt man schon ein­er grund­sät­zlichen Zahlung zu, auch wenn man das selb­st nicht gemeint hat. Hier­bei kommt es darauf an, wie die Gegen­seite das Gesagte oder Geschriebene ver­standen haben kann.

Schulden­falle mit Torrent-Download

Alamierend ist ger­ade ein Fall aus Bram­sche: Offen­bar hat ein Sohn ein­er Fam­i­lie über ein Bit­Tor­rent-Pro­gramm eine Datei mit den Top-100-Liedern der Charts run­terge­laden. Bei Bit­Tor­rent-Pro­gram­men ist es so, dass von diversen Com­put­ern Bruchteile ein­er Datei geladen wer­den, die zusam­menge­set­zt die gesamte Datei ergeben. So lädt man von nie­man­dem eine ganze Datei herunter. Man stellt aber gle­ich­sam oft auch auf dieselbe Art der­ar­tige Bruch­stücke zur Verfügung.

Die abmah­nende Seite hat nun wohl behauptet, man habe eine Datei mit diversen Liedern zur Ver­fü­gung gestellt und forderte von der Fam­i­lie den Schaden­er­satz für ein bes­timmtes Lied. Der befragte Anwalt riet der Fam­i­lie offen­bar, zu zahlen. Da dies als Eingeständ­nis gew­ertet wurde, trudel­ten mit der Zeit diverse Forderun­gen bezüglich der anderen 99 Lieder ein. Ein rechtlich möglich­es, let­ztlich aber abstruses Gebahren.

Die Fam­i­lie ist aber nicht wegen eines Mausklicks in diese Schulden­falle ger­at­en, wie die Über­schrift des Artikels es nahe legt, son­dern wegen juris­tisch rel­e­van­ter Selb­st­beschuldigun­gen, deren Fol­gen sie offen­bar gar nicht erkan­nt hatte.

Inter­es­sant bei der­ar­ti­gen Fällen ist es, inwiefern das Urteil rel­e­vant ist, dass Eltern nicht in jedem Fall für ihre Kinder haften.

Nicht Nachgeben unter Druck durch das Dro­hen mit Fristen

Es passiert auch erfahre­nen Inter­net­nutzern wie Markus Beckedahl, dem Grün­der von netzpolitik.org, dass Aus­sagen getätigt wer­den, über deren juris­tis­chen Fol­gen man sich zunächst über­haupt nicht im Klaren ist. So wird von Abmah­nen­den häu­fig ein geziel­ter Druck auf die Abgemah­n­ten aus­geübt: Es wer­den Fris­ten von weni­gen geset­zt, in denen zu reagieren sei. Das ver­hin­dert mitunter eine Unterre­dung mit einem Anwalt und führt zuvor zu ein­er unnöti­gen Reak­tion auf den Abmah­nen­den. Aber ger­ade darauf zie­len solche Druck­ausübun­gen. Denn im Gegen­satz zu Ein­willi­gun­gen über weit­eres Vorge­hen seit­ens des Abgemah­n­ten sind solche Druck­ausübrun­gen, auch wenn sie Falschdarstel­lun­gen bein­hal­ten, meist juris­tisch irrelevant.

Was tun, wenn die Abmah­nung ins Haus fliegt?

Bei all den juris­tis­chen Stolper­fall­en im Inter­net, die ein juris­tis­ch­er Laie meist gar nicht ken­nt, ist es rat­sam, bei Abmah­n­forderun­gen, bei denen man das Gefühl hat, man durch­schaut nicht das ganze Anliegen, sofort einen Inter­ne­trecht­sex­perten zu kon­tak­tieren. Dazu sucht man im Inter­net nach einem “IT-Anwalt” oder fragt im Bekan­ntenkreis weit­er. Nicht immer ist es eine gute Idee, einen Anwalt einzuschal­ten, der nicht auf Inter­ne­trecht­san­gele­gen­heit­en spezial­isiert ist, wie der Fall aus Bram­sche zeigt. Dem Abmah­nen­den schreibt man, wie schon gesagt, am besten zunächst nichts weit­er, als dass man seinen Anwalt kon­tak­tiere und sich danach umge­hend melden werde. In der Regel führt das nicht direkt zu ein­er Ver­schär­fung der Angelegenheit.

Vetter’s law: Aussagepflicht

Vor einigerzeit melde­ten einige Medi­en, Google wolle mit Pro­gram­men auf Youtube dem Fernse­hen Konkur­renz machen. Das war etwas über­zo­gen, Konkur­renz macht ein Kanal wie trigger.tv wohl nicht ein­mal Kanal-4. Der Strafvertei­di­ger Udo Vet­ter hat dort seinen eige­nen Kanal und das ist nicht immer ganz uninteressant:

Gesetz gegen Kostenfallen im Internet

Im Inter­net müssen ab sofort Kun­den ihre Bestel­lung aus­führlich aufge­lis­tet wer­den, bevor ein recht­mäßiger Kaufver­trag beste­ht. Dies sieht eine Änderung des Bun­des­ge­set­zbuch­es (BGB) vor, das ab 1. August in Kraft getreten ist.

Mit dieser Regel wer­den Abzock­en im Inter­net wie z.B. ange­blich geschlossene Abon­nements schw­er­er, aber nicht unmöglich gemacht. Wenn jemand eine Rech­nung über ange­blich bestellte Dinge bekommt, sollte man vor­sichtig sein: Niemals dem Rech­nungsausteller schreiben, dass man in irgen­dein­er Weise zu Raten­zahlun­gen bere­it ist: Dies gilt schon als Ver­trag, egal, was zuvor abgemacht gewe­sen ist.

In hart­näck­i­gen Fällen sollte man unbe­d­ingt einen Anwalt konsultieren.

Ich weiß, was du auf Facebook gelesen hast

Die Aktion, dass man über Face­book-Benutzer erfahren wollte, ob andere Face­book-Benutzer einen Namen oder ein Bild ver­wen­den, dass nicht genau der Per­son entspricht, die ihn oder es ver­wen­det, scheint vor­bei zu sein, da kommt eine neue, merk­würdi­ge Funk­tion auf die Benutzer zu:

In Grup­pen wird angezeigt, welche Benutzer Artikel in ein­er Gruppe gele­sen haben. Aber das ist eigentlich schon falsch aus gedrückt. Bei den Face­book-Seit­en ist es schon so, dass dort den Seit­en­be­treibern angezeigt wird, wieviele Per­so­n­en ange­blich einzelne Ein­träge gese­hen hät­ten. Das bedeutet aber nur, dass diese Ein­träge in der Time­line der Benutzer aufge­taucht sind, ob sie gese­hen wor­den sind, bedeutet das ger­ade nicht.

Und eben­so wenig bedeutet die Angabe, ein Bericht sei gele­sen wor­den, dass er gele­sen wor­den ist. Die neue Funk­tion dient also eher der Irri­ta­tion, der Verblendung, der Falschdarstel­lung ein­er Begeben­heit, die Face­book gerne darstellen würde, aber nicht kann. Sie soll wohl dazu dienen, die Benutzer emo­tion­al mehr an Face­book zu binden, aber ob das so klappt? Regen sich bald Leute darüber auf, dass man ange­blich ihren Ein­trag gele­sen, aber nicht mit “Gefällt mir” verse­hen hat?

Benutzer kön­nten sich gen­ervt fühlen, wenn sie von anderen, die diese Darstel­lung Face­books übernehmen, darauf ange­sprochen, das sie ange­blich irgen­det­was gele­sen, sprich erfasst hätten.

Deckt die Religionsfreiheit Beschneidungen?

Im Blog von Cha­jm Gus­ki geht es in diesem Artikel aus jüdis­ch­er Sicht um die Entschei­dung des Köl­ner Landgerichts, religiöse Beschnei­dun­gen als rechtlich straf­bare Kör­per­ver­let­zung zu sehen. Der Artikel und die Kom­mentare sind sehr inter­es­sant zur Erfas­sung des Themas.

mehr
Wolf­gang Schmid­bauer: Beschnei­dung ist nicht harmlos
Michael Schmidt: Poli­tik­er wollen Beschnei­dung legalisieren

Pro Recht auf Beschneidung

Der Jour­nal­ist und Jurist Herib­ert Prantl meint, es gin­ge juris­tisch in dieser Sache nicht um das Recht der Reli­gions­frei­heit, son­dern um das elter­liche Sorg­erecht.

Kon­tra Recht auf Beschneidung

Han­nah Wet­tig schreibt, religiöse Prak­tiken dürften nicht über das Recht gestellt wer­den.

Der Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende zum Leistungsschutzrecht

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Der Vor­standsvor­sitzende des Axel-Springer-Ver­lages, Math­ias Döpfn­er, hat Felix von Leit­ner, bess­er bekan­nt als Fefe, und Frank Rieger ein Inter­view für Alternativlos.org gegeben. Das brisante an diesem Aufeinan­dertr­e­f­fen ist, dass der Axel-Springer-Ver­lag als treibende Kraft der Forderung eines Leis­tungss­chutzrechts gilt. Dies wird öffentlich durch Christoph Keese in seinem ange­blich pri­vat­en Blog und auf twit­ter gemacht.

Anmerkun­gen

  • In diesem Inter­view über­rascht Döpfn­er, indem er sagt, dass Google News gar nicht vom Leis­tungss­chutzrecht betrof­fen ist. Dabei war ger­ade Google News immer bei Befür­wortern des Leis­tungss­chutzrechts das erste Beispiel. Mir ist inzwis­chen völ­lig unklar, was das Leis­tungss­chutzrecht schützen soll, das noch nicht durch das Zita­trecht geschützt wäre. Und wenn der Axep-Springer-Ver­lag nicht gegen kleine Blog­ger oder Face­book-Benutzer vorge­hen will, bedeutet das ja nicht, dass das nicht irgend­je­mand tut, der sich Ver­lag nennt.
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  • Döpfn­er meint, dass der Axel-Springer-Ver­lag zu den lib­er­al­sten Zeitungsver­la­gen in Deutsch­land gehört, und man könne auch Leute fra­gen, die für ihn arbeit­en und als kri­tis­che Geis­ter gel­ten. Ich habe vor nicht ein­mal vier Wochen das let­zte Mal mit jeman­dem gesprochen, der von der Bild-Zeitung zu einem kleinen Ver­lag gewech­selt ist. Diese Per­son war über­glück­lich, von dieser Zeitung los­gekom­men zu sein und empfind­et ihre neue Arbeit­sumge­bung allein im Ver­gle­ich zur alten als wohltuend. Für eine ver­ant­wor­tungsvolle Hal­tung bei der Recher­chierung von Bericht­en könne ihrer Mei­n­ung nach bei der Bild-Zeitung keine Rede sein.
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  • Es geht in der Sache übri­gens nicht darum, dass Ver­lage ihre Erzeug­nisse kosten­los zur Ver­fü­gung zu stellen hät­ten, wie Angela Merkel (CDU) und Han­nelore Kraft (SPD) es aus­drück­en, son­dern darum, dass Ver­lage Geld kassieren kön­nen. Ste­fan Nigge­meier drückt das genauer aus:

    Die Ver­lage sind in der Prax­is nicht gegen die Snip­pets. Die Ver­lage wollen, dass Google für die Snip­pets zahlen muss.

    Sie sagen: Google bedi­ent sich ver­boten­er­weise ein­fach an unseren Inhal­ten, ohne dafür zu bezahlen. Das Para­doxe ist nur: Sie kön­nten diesen ange­blichen Miss­brauch ganz leicht ver­hin­dern. Aber sie tun es nicht, weil von diesem ange­blichen Miss­brauch profitieren.

    Sie wollen, dass Google sie für eine Dien­stleis­tung, die Google ihnen bringt, bezahlt.

Die Gefahren eines Leistungsschutzrechts

Ich habe let­ztens davon geschrieben, dass in Ameri­ka ein ein­fach­er Gefällt-mir-Klick bei Face­book zum Ver­lust des eige­nen Jobs führen kann. Aber auch in Deutsch­land kann es jet­zt ungemütlich wer­den: Das geplante Leis­tungss­chutzrecht kön­nte zu ein­er neuen Welle von Massen­abmah­nun­gen führen.

Als Angela Merkel vor Kurzem gesagt hat, man müsse den Schutz des geisti­gen Eigen­tums weit­er­hin gewähren, dann weiß ich nicht, ob alle, die damals für diese Bemerkung geklatscht haben, wussten, wofür sie denn da ger­ade klatschen. Denn nun ist durch­gesick­ert, wie denn dieser Schutz seites der Bun­desregierung aussieht: Es ist ein Leis­tungss­chutzrecht geplant oder wie Recht­san­walt Udo Vet­ter meint, eine Arbeits­beschäf­ti­gungs­maß­nahme für Recht­san­wälte (der Recht­san­walt Till Kreutzer sieht das genauso).

Worum geht es denn?
Im Inter­net wird viel kopiert. Einige dieser Inhalte sind aber vorher finanziert wor­den mit dem Ziel, dass die Her­steller von ihrer Finanzierung prof­i­tieren, nicht irgend­je­mand anders, der mit dem hergestell­ten Werk nichts zu tun hat. Es geht daher um den Wert von Arbeit.

Das klare Prob­lem: Z.B. auf der Seite der ISV wer­den sehr häu­fig Artikel der IVZ eingestellt. Dies ist rechtlich nur dann ok, wenn sich die IVZ hier­mit ein­ver­standen erk­lärt, schließlich bezahlt sie die Jour­nal­is­ten, die diese Artikel herstellen.

Das Zita­trecht würde die Ver­wen­dung eines Teils solch­er IVZ-Artikel nur dann recht­fer­ti­gen, wenn sie Teil eines eige­nen Beitrages sind, indem auf die Zitate einge­gan­gen wird. Würde die IVZ gegen diese Artikele­in­stel­lun­gen kla­gen, hätte sie gute Chan­cen Recht zu bekom­men. Aber vielle­icht find­en sie es auch gut, dass ander­swo ihr Name auf­taucht. Dieses Recht­sprob­lem wird zudem heute schon durch Geset­ze ein­deutig geregelt.

Den Ver­la­gen stößt Google News dage­gen auf: Google ist ein kom­merzielles Unternehmen und prof­i­tiert von dieser Seite, die ohne eigenes, inhaltlich­es Zutun Kurzauszüge von Blog- und Zeitungsar­tikeln sicht­bar macht. Zwar prof­i­tieren die Zeitun­gen durch diese Seite, weil mehr Leute auf ihre eige­nen Seit­en kom­men. Dass aber auch irgend­wie Google davon prof­i­tiert, stört die Verleger.

Das Prob­lem der Abmah­n­welle: Das neue Leis­tungss­chutzrecht kön­nte aber das Zita­trecht noch weit­er ein­schränken. Durch dieses Gesetz kön­nen auch kle­in­ste Bauteile eines Artikels geschützt wer­den, also z.B. Über­schriften oder einzelne Sätze. Ver­lage, das sind diejeni­gen, denen Zeitun­gen gehören, kön­nen daher kla­gen, wenn Bruchteile von Artikeln, die ihnen gehören, woan­ders ste­hen. Beklagt wer­den kann nun eigentlich nur der­jenige, der eine gewerbliche Inter­net­seite hat, d.i. eine Inter­net­seite, auf der zumin­d­est Wer­bung ste­ht. Z.B. Google. Aber Google würde wohl auf ein Leis­tungss­chutzrecht so reagieren, dass man Zeitun­gen nicht mehr verlinkt.

Tat­säch­lich kann natür­lich jed­er beklagt wer­den: Face­book-Nutzer, Twit­ter-Nutzer oder Blog­ger. Denn die Erfol­gsaus­sicht ein­er rechtlichen Klage­an­dro­hung besagt ja noch nichts über die sin­nvolle Inter­pre­ta­tion eines Geset­zes durch den Kla­gen­den. Ein­fach­er gesagt: Anwälte kön­nten Leute mit dem Ziel verk­la­gen, sie so einzuschüchtern, dass sie Geld zahlen, nur um keinen weit­eren Ärg­er zu haben. Ein solch­es Ver­fahren kön­nte, wenn es erfol­gre­ich ist, d.h. wenn viele Leute zahlen, eine Abmah­n­welle nach sich ziehen.

Was bedeutet das für die Nutzung von Face­book, Twit­ter, Stu­di­vz, OSC etc.?

Erst ein­mal muss man fes­thal­ten, dass wir hier bish­er nur über den Vorschlag zu einem Leis­tungss­chutzrecht sprechen. Vielle­icht kommt das Recht nicht so, wie es ger­ade vor­liegt. Aber man sollte sich darüber Gedanken machen, damit man nicht eines Tages über­rascht wird, weil man auf Face­book wegen eines Kleinz­i­tats verk­lagt wird.

Daher der­selbe Rate wie immer: Face­book- und Twit­ter-Pro­file vor den Augen Fremder abschließen, wenn man darüber als Per­son ein­deutig iden­ti­fiziert wer­den kann, oder gle­ich anonym nutzen.

Udo Vet­ter meint, man könne

den Ver­legern grat­ulieren, dass sie es tat­säch­lich geschafft haben, ihre Kanonen nun auf die von ihnen ohne­hin ungeliebte Nebenöf­fentlichkeit im Netz richt­en zu dür­fen. Neben dem finanziellen Ader­lass dürfte die abse­hbare Shock & Awe – Strate­gie ja auch den Effekt haben, dass sich weniger Men­schen trauen, selb­st Inhalte ins Netz zu stellen. Was wiederum etlichen anderen wieder die Zeit geben kön­nte, Geld für klas­sis­che Presse­pro­duk­te auszugeben.

Fast über­flüs­sig zu erwäh­nen, dass das Leis­tungss­chutzrecht die neue Mei­n­ungs­frei­heit bedro­ht. Wer als Bürg­er nur noch Zeitung lesen, aber nichts mehr im Inter­net dazu sagen darf, kann sich get­rost dig­i­tal kas­tri­ert vorkom­men. Insoweit ist das Leis­tungss­chutzrecht auch ein erster Schritt zurück in die Zeit, als die Medi­en alles, du und ich aber öffentlich nichts zu sagen hatten. 

mehr
Wikimedia.de: Wikipedia bald ohne Weblinks?
Ste­fan Nigge­meier: Das Leis­tungss­chutzrecht — Sel­ten war es so tot wie heute
Kai Bier­mann: Von Pres­se­tex­ten soll­ten kün­ftig bess­er alle die Fin­ger lassen
Mario Six­tus: Wie man sich mit dem Leis­tungss­chutzrecht eine Google-Melk­mas­chine baut 
ZAPP: Urhe­ber­recht — Selb­st­be­di­enung der Verlage

Zitierfreiheit nur bei bestimmten Zitatzwecken

Seit­dem diverse Poli­tik­er ihren Dok­tor­grad wieder abgeben durften, weil sie unko­r­rekt zitiert hat­ten, ist die Frage, wie man den wis­senschaftlich zitieren darf oft aufge­wor­fen wor­den (Man muss schlicht jedes Zitat kennze­ich­nen). Der Bun­des­gericht­shof hat nun klargestellt, wie das Zitieren im nicht wis­senschaftlichen Rah­men erfol­gen darf: Sel­tener als so manch­er dachte.

Ich für meinen Teil habe in der Grund­schule in diverse Schul­fre­unde-Büch­er geschrieben. Ich erin­nere mich, dass es neben den Fra­gen nach der Lieblingsmusik und den Lieblings­fil­men manch­mal auch am Ende Platz für einen eige­nen Gruß blieb. Den füll­ten manche mit ihrem Lieblingsz­i­tat. Wußten die wohl, dass sie damit gegen deutsches Recht verstießen?

Die Zitier­frei­heit ges­tat­tet es nicht, ein fremdes Werk nur um sein­er selb­st willen zur Ken­nt­nis der All­ge­mein­heit zu brin­gen. […] Die Ver­fol­gung des Zitatzwecks im Sinne des § 51 UrhG erfordert vielmehr, dass der Zitierende eine innere Verbindung zwis­chen dem frem­den Werk und den eige­nen Gedanken her­stellt und das Zitat als Beleg­stelle oder Erörterungs­grund­lage für selb­ständi­ge Aus­führun­gen des Zitieren­den erscheint.

laut­en die wesentliche Stelle in der Veröf­fentlichung des Bun­des­gericht­shof. Das bedeutet nichts anderes, als dass Zitate, wie man sie aus solchen Schul­fre­und­büch­ern, von Buchdeck­eln oder von Face­book-Pin­nwän­den ken­nt, streng genom­men gegen das Urhe­ber­recht ver­stoßen, so lange noch ein Urhe­ber­recht­sanspruch auf das entsprechende Werk besteht.

Natür­lich gilt auch hier: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber man kann sich eben nicht sich­er sein, dass nie­mand klagt, ger­ade nicht bezo­gen auf Face­book-Pin­nwän­den, die offen für jed­er­mann sind.

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WDR.de:  Karl Valentin und die Anwälte