Facebook veröffentlicht bald neue Nutzerbedingungen, denen die Nutzer des Dienstes zustimmen müssen. Das ist nun schon diverse Male passiert, so das nur noch Wenige darüber aufregen. Es sei hier nun doch noch kurz festgehalten, was sich jetzt ändert:

Facebook räumt sich das Recht ein, Namen, Profilbild sowie „Inhalte und Informationen“ von Mitgliedern für Werbe­zwecke zu nutzen.

Das heisst nichts anderes, als dass sämtliche hochgeladene Fotos der Facebook-Nutzer als Werbematerial für Facebook dienen können. Wer also bislang unhinterfragt diverse Freundes-, Familien- oder Babyfotos veröffentlicht hat, darf gerne seine Gewohnheiten mal hinterfragen.

Wohl ab morgen steht den meisten Benutzern von Facebook zur Verfügung, die Profile ihrer Freunde, d.i. deren Social Graph, nach bestimmten Stichworten und Stichwortkombinationen zu durchsuchen. Man erhält so z.B. Suchergebnisse zu „Freunde, deren Eltern Roy Black gut finden“.

Das ist etwas merkwürdig, denn dazu waren seitens der Benutzer diese Angaben nicht gedacht, aber andererseits waren diese Angaben bisher freiwillig und einigermaßen öffentlich.

Mir scheint, dass diese Funktion so oft genutzt werden wird wie man die Timeline nutzt, um zu erfahren, welchem Freund in welchem Jahr was so alles passiert ist: Äußerst selten. Zumindest ich klappere keine Timelines derart ab.

The Wall Street Journal hat sich aktuell mit der Frage beschäftigt, was Facebook so an Daten sammelt, denn in den USA ist wohl gerade eine größere Werbekampagne vom Stapel gerollt. Nicht ohne Grund, wie die Zeitung meint.

In Kurzform findet man ihr Ergebnis auf dieser Grafik abgebildet. Facebook weiß, welches Handy ein Nutzer besitzt und möglicherweise, was er wo wann einkauft, Facebook kann öffentliche Daten und Daten aus dem Cache des Browsers, den ein Nutzer verwendet, auswerten. Solange ein Nutzer in Facebook eingeloggt ist, und der Nutzer Internetseiten mit Facebook-Bannern besucht, kann Facebook auch wissen, wo ein Nutzer aktuall gerade im Internet surft.

Heise.de schreibt hierzu:

Facebook gibt seinen Werbekunden in den USA die Möglichkeit, Zielgruppen für ihre Anzeigen noch präziser anzusprechen. Sie könnten künftig zum Beispiel gezielt Werbung für Facebook-Mitglieder schalten, die Frühstücksflocken für Kinder kaufen oder sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich einen neuen Kleinwagen zulegen werden

Man kann dem allerdings schon gut entgegen treten, indem man Facebook unter Pseudonym verwendet, für Einkäufe im Internet eine andere E-Mail-Adresse verwendet als für Facebook und das Browser-Cache öfters leert.

In den USA ist das Thema etwas brennender, da Facebook dort mehr Kontakte zu Firmen hat, mit deren Daten man sich austauscht. Zudem sind die Amerikaner nicht so sensibel, was Datenschutz angeht und verwenden Werbung blockierende Programme wie Adblock Plus weniger.

Wenn man Facebook persönliche Daten mitteilt, weiß man leider nicht, was dann mit diesen geschieht (z.B anhand des Facebook Social Graphs). Man weiß auch nicht, wann etwas mit diesen geschieht. Vielleicht wird ein persönliches Profil erstellt. Und dieses Profil wird vielleicht irgendwann mit einem zweiten persönlichen Profil zusammen gespeist, dass von einem Telefonanbieter kommt. Dann kann es sehr schnell sein, dass irgendwelche Firmen wissen, was ich wann wo und wie lange tue. Wozu sollte ich so etwas mitteilen?

Dass ich so etwas mitteile, ist meine Gegenleistung für kostenlose Internetseiten wie Facebook oder Google. Es ist also klar, dass ich mir Gedanken machen sollte, welche Informationen ich preisgebe. Hierbei gibt es unterschiedliche Stufen:

1. Die Inkognito-Variante
Ich verwende Facebook oder Google einfach nur mit einem Spitznamen. Eigentlich wollen die Firmen so etwas nicht, aber sie können es kaum verhindern. Mit einem Spitznamen ist es für Firmen oder andere Augen sehr schwer, etwas über meine Person herauszubekommen. Ich selbst habe einen Facebook-Zugang mit Spitznamen. Nein, stimmt nicht, ich habe 5. Dort spiele ich Spielchen, teste Applikationen aus und klicke auf Gefällt-mir. Es ist unwahrscheinlich, dass das auf meine Person zurückfällt.

2. Die Eigener-Name-Variante
Zunächst einmal: Eigentlich geht es Facebook überhaupt nichts an, wie ich heiße, wann ich Geburtstag habe, wo ich wohne, welche Schule ich besucht habe usw. Ich kann diese Angaben offen lassen oder falsche Angaben machen. Um gefunden zu werden, ist es aber sicherlich hilfreich, wenn der eigene Name suchbar ist. Aber wie viele Leute gibt es, die mich auf Facebook noch über meinen Namen suchen müssen? In den Privatsphäre-Einstellungen (siehe Punkt 4) kann ich zumindest einstellen, dass mein Facebook-Profil nicht über Google gefunden und angezeigt werden kann. Facebook-Nutzer werden sicherlich wenn, dann über Facebook meinen Namen suchen. Es ist nicht nötig, dass Google mein Facebook-Profil anzeigt.

3. Die Eigener-Name-Variante ohne Einschränkungen
Aus dem Schneider bei dieser Variante sind Personen mit einem Allerweltsnamen. Wer Andrea Meier heißt und ein undeutliches Foto verwendet, ist auf Facebook eh kaum identifizierbar. Wer keinen Allerweltsnamen hat, sollte zumindest vorsichtig sein: Keine Vorschnellen Äußerungen über Politik, die später peinlich sein könnten! Wer sich mal unbedarft oder naiv äußert, dem kann, wenn sein Name eindeutig identifizierbar ist, diese Äußerung später noch einmal schaden. Wer aber meint, er ginge routiniert mit Facebook um, der kann diverse Angaben teilen und Facebook als Kontaktmöglichkeit nutzen.

Problematisch bei dieser Variante ist auch die offene Pinnwand: Die ist streng genommen nichts anderes als ein Blog und müsste eigentlich mit einem Impressum versehen sein. Eine Internetseite ohne Impressum kann verklagt werden, allerdings gibt es hier nur dann Erfolgsaussichten, wenn sich der Inhalt explizit an Leute richtet, die nicht die eigenen Freunde sind. Dass kann also bei Facebook-Pinnwänden oftmals ausgeschlossen werden. Daneben sind natürlich Bilder oder Youtube-Videos problematisch, wenn man nicht selbst die Rechte daran besitzt.

Es gibt oft zu den möglichen, rechtlichen Problemen bei Facebook keine Grundsatzentscheidungen, d.h. keine Urteile, an denen man sich orientieren kann. Wer also Bedenken hat bei den Dingen, die er oder sie auf der Pinnwand anheftet, der verwende entweder einen Spitznamen oder mache die eigene Seite nur für Freunde sichtbar.

4. Die Einschränkung der Sichtbarkeit eigener Facebook-Einträge über die Privatsphäre-Einstellungen
Die Privatsphäre-Einstellungsseiten bei Facebook ändern sich dauernd, ohne dass klar wird, wieso. Aktuell (15. Januar 2013) sieht man folgendes, und ändert am besten, dass man die eigenen Einträge nur für Freunde öffentlich macht (erster Unterpunkt) und vergangene Einträge in ihrer Sichtbarkeit einschränkt (dritter Punkt).

facebookeinstellungen

Was für ein hässliches Deutsch in der Überschrift, aber in der Umgangssprache ist es ja verständlich. Es geht um Gefällt-mir-Klicks auf Facebook. Diese werden nämlich auch in der Social-Graph-Suche erfasst, was mir bisher nicht bewusst war.

Das macht die ganze Suche auf Facebook zweischneidig, denn offenbar führt diese neue Suchfunktion nicht nur zur Darstellung bewusst angeklickter Seiten auf Facebook, sondern auch zu neuen Interpretationen über unterschiedliche Gefällt-mir-Klicks. Und das führt zu fragwürdigen Angaben, die der Nutzer so gar nicht gemacht hat, die schlimmstenfalls auch überhaupt nicht den Aussagen der Nutzer entsprechen und diesen in ein schlechtes Licht rücken können, wie folgende Beispiele deutlich machen.

Daher Vorsicht beim Anklicken der Gefällt-mir-Knöpfe auf Facebook, wenn Facebook nicht unter Pseudonym verwendet wird, und lieber auf einen Klick verzichten, wenn man nicht unbedingt möchte.

Facebook hat eine neue Suchfunktion installiert, den Social Graph. Dieser ist neben der Timeline, an der ich die aktuellen Aktivitäten anderer verfolgen kann, und der Pinnwand, auf der ich eigene Einträge verfasse, die dritte wesentliche Funktion Facebooks.

Der Begriff Graph entstammt der Graphentheorie und bezeichnet ein System von Knotenpunkten und ihren Verbindungen. Metaphorisch bedeutet ein sozialer Graph bei Facebook, dass ich Verbindungen zu Freunden auf Facebook habe und durch diese Suchfunktion etwas von zusätzlichen Verbundenheiten wie gemeinsamen Interessen für bestimmte Sportarten erfahre. Wenn ich am Wochenende in die Aura gehe, könnte ich so erfahren, wer aus meinem Bekanntenkreis das auch vorhat. Ich kann ebenso erfahren, wie meine Facebook-Freunde ein bestimmtes Restaurant finden.

David Recordon erklärt den Social Graph in einfachen Worten:

Ben Wood empfindet diese Suchfunktion auch als ziemlich positiv:

So weit, so schön. Nur ist in Deutschland die Datenschutzgedanke sehr weit ausgeprägt, daher stehen für viele Facebook-Nutzer nicht allzu viele geeignete Daten für eine solche Suche zur Verfügung. Auch die neu eingeführte Chronik bei Facebook ist nie eine Zeitleiste des eigenen bisherigen Lebens geworden, so wie es den Facebook-Machern vorschwebte. Und schließlich ist mir nicht klar, wie der Social Graph in die Facebook App noch reinpasst – da verwende ich doch lieber der Übersicht halber unterschiedliche Apps. So wie bisher.

Vor kurzem hat Facebook es abgeschafft, dass man die Suche nach dem eigenen Profil auf Facebook durch andere Benutzer, untersagen kann. Das war insoweit nicht weiter schlimm, als dass sowieso kaum jemand genutzt hat. Und wenn man ein Pseudonym verwendet ist man mit richtigem Namen eben auch nicht zu finden. Die Suche ist auch dann wenig erquicklich, wenn man das eigene Profil nicht zum Durchstöbern frei gegeben hat.

Man kann allerdings die Auffindbarkeit des eigenen Facebook-Profils durch Suchmaschinen einschränken:

1. Klick auf Konto
2. Klick auf Privatsphäre-Einstellungen
3. Klick auf Anwendungen, Spiele und Webseiten
4. Klick auf Öffentliche Suche

Die Option, dass die eigene Facebook-Seite über Google gefunden wird ist nur dann ratsam, wenn man möchte, dass Personen, die einen sellbst über Google suchen, auf Facebook finden können. Man kann aber eigentlich davon ausgehen, dass Leute, die einen wirklich finden und über Facebook verbinden sollen, auch auf Facebook finden. Daher ist diese Option nicht sonderlich wichtig und kann abgestellt werden.

Das Problem bei dieser Einstellung könnte sein, dass die eigene Facebook-Seite schon bei Suchmaschinen gelistet ist und trotz der Einstellung in Facebook weiterhin über Google verlinkt wird.

Kai Biermann schreibt bei der ZEIT darüber, dass es gerade zwei wesentliche Änderungen bei Facebook gibt.

Zum einen wird angekündigt, dass man Daten vom Fotodienst Instagram, den Facebook vor kurzem gekauft hat, mit den Daten von Facebook selber verknüpft werden.

Zum anderen wird die Mitsprachemöglichkeit von Facebook-Nutzern eingeschränkt. Gegen Veränderungen z.B. von Facebook-AGB konnte bislang formal Einspruch erheben werden: 7000 Facebook-Nutzer müssen dieselbe ablehnende Meinung gegen eine Facebook-Änderung haben und dann hätte es eine Änderung des Vorhabens von Facebook gegeben, wenn 30% der Facebook-Nutzer gegen die Änderung gestimmt hätten. Diese 7000 Nutzer müssen zudem ihre Profile verifizieren, d.h. mit einer Handy- oder Kreditkartennummer ihre Identität bestätigen. Einen derart erfolgreichen Protest hat es nie gegeben.

Manche sehen in dieser neuen Veränderung eine Reaktion Facebooks auf die kritischen Aktionen des Wiener Studenten Max Schrems. Dieser wurde dadurch bekannt, dass er sich seine von Facebook gesammelten Daten zuschicken und ausdrucken ließ. Gerade initiiert er eine Aktion gegen die aktuellen Veränderungen Facebooks.

Und, wo wir gerade beim Thema Datenschutz sind: Sarah Spiekermann hat ein empörtes Pamphlet gegen den Angriff auf den Datenschutz in Deutschland geschrieben.