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Facebook macht Jagd auf Pseudonyme

Zum besseren Schutz der eige­nen Per­son habe ich diverse Male darauf hingewiesen, dass man Face­book auch unter einem Pseu­do­nym ver­we­den könne. Dann entstünde zwar auch irgend­wie eine Daten­samm­lung zu dem betr­e­f­fend­en Account, der würde aber nicht dem kor­rek­ten Namen des Nutzers zugeschrieben. Genau da gegen möchte Face­book nun vorge­hen und über­rascht Nutzer ab heute mit ein­er Mit­teilung, über Bekan­nte mitzuteilen, ob der angegebene Name der richtige Name des Nutzers ist.

Wahrschein­lich erhal­ten dann Nutzer, denen von anderen zugeschrieben wird, nicht mit dem richti­gen Namen Face­book zu nutzen, eine Infor­ma­tion, dass sie ihren Namen ändern sollen. So passiert es zumin­d­est bei Google+. Bei Google+ kann man sich aber mit einem ver­meindlich richtig klin­gen­den Namen benen­nen, der­nicht so denun­ziert wer­den kann, wie es bei Face­book vorge­se­hen ist.

Damit ver­stößt man gegen das deutsche Recht von Inter­net­nutzern auf anonyme Nutzung von Tele­di­en­sten. Dieses Recht ist eingeräumt wor­den, weil es möglich ist, dass einem durch öffentliche Äußerun­gen per­sön­liche Nachteile entste­hen, dadurch, dass man iden­ti­fizier­bar ist.

Man sollte weit­er­hin ver­suchen, wenn man will, Face­book unter Pseu­do­ny­men zu nutzen, allein schon, weil es das eigene Recht ist. Wie die Reak­tio­nen auf diesen Vorstoß von Face­book aus­fall­en, wird man sehen.

Der Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende zum Leistungsschutzrecht

[audio:http://alternativlos.cdn.as250.net/alternativlos-24.mp3]

Der Vor­standsvor­sitzende des Axel-Springer-Ver­lages, Math­ias Döpfn­er, hat Felix von Leit­ner, bess­er bekan­nt als Fefe, und Frank Rieger ein Inter­view für Alternativlos.org gegeben. Das brisante an diesem Aufeinan­dertr­e­f­fen ist, dass der Axel-Springer-Ver­lag als treibende Kraft der Forderung eines Leis­tungss­chutzrechts gilt. Dies wird öffentlich durch Christoph Keese in seinem ange­blich pri­vat­en Blog und auf twit­ter gemacht.

Anmerkun­gen

  • In diesem Inter­view über­rascht Döpfn­er, indem er sagt, dass Google News gar nicht vom Leis­tungss­chutzrecht betrof­fen ist. Dabei war ger­ade Google News immer bei Befür­wortern des Leis­tungss­chutzrechts das erste Beispiel. Mir ist inzwis­chen völ­lig unklar, was das Leis­tungss­chutzrecht schützen soll, das noch nicht durch das Zita­trecht geschützt wäre. Und wenn der Axep-Springer-Ver­lag nicht gegen kleine Blog­ger oder Face­book-Benutzer vorge­hen will, bedeutet das ja nicht, dass das nicht irgend­je­mand tut, der sich Ver­lag nen­nt.
  •  
  • Döpfn­er meint, dass der Axel-Springer-Ver­lag zu den lib­er­al­sten Zeitungsver­la­gen in Deutsch­land gehört, und man könne auch Leute fra­gen, die für ihn arbeit­en und als kri­tis­che Geis­ter gel­ten. Ich habe vor nicht ein­mal vier Wochen das let­zte Mal mit jeman­dem gesprochen, der von der Bild-Zeitung zu einem kleinen Ver­lag gewech­selt ist. Diese Per­son war über­glück­lich, von dieser Zeitung los­gekom­men zu sein und empfind­et ihre neue Arbeit­sumge­bung allein im Ver­gle­ich zur alten als wohltuend. Für eine ver­ant­wor­tungsvolle Hal­tung bei der Recher­chierung von Bericht­en könne ihrer Mei­n­ung nach bei der Bild-Zeitung keine Rede sein.
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  • Es geht in der Sache übri­gens nicht darum, dass Ver­lage ihre Erzeug­nisse kosten­los zur Ver­fü­gung zu stellen hät­ten, wie Angela Merkel (CDU) und Han­nelore Kraft (SPD) es aus­drück­en, son­dern darum, dass Ver­lage Geld kassieren kön­nen. Ste­fan Nigge­meier drückt das genauer aus:

    Die Ver­lage sind in der Prax­is nicht gegen die Snip­pets. Die Ver­lage wollen, dass Google für die Snip­pets zahlen muss.

    Sie sagen: Google bedi­ent sich ver­boten­er­weise ein­fach an unseren Inhal­ten, ohne dafür zu bezahlen. Das Para­doxe ist nur: Sie kön­nten diesen ange­blichen Miss­brauch ganz leicht ver­hin­dern. Aber sie tun es nicht, weil von diesem ange­blichen Miss­brauch prof­i­tieren.

    Sie wollen, dass Google sie für eine Dien­stleis­tung, die Google ihnen bringt, bezahlt.

Was macht eigentlich eine Demokratie aus?

Die Wochen­zeitung DIE ZEIT hat einen Artikel veröf­fentlicht, dass das man­gel­hafte Wis­sen von Schülern über die DDR, das Dritte Reich und die Bun­desre­pub­lik anprangert: Sie wüßten zu wenig über die Merk­male der Demokratie.

Das soll also das entschei­dende Merk­mal sein: Die Bun­desre­pub­lik war und ist eine Demokratie, die DDR und das Dritte Reich nicht. So ganz überzeugt das nicht, und von einem Artikel, der sich so aus dem Fen­ster lehnt, darf man eigentlich mehr erwarten.

Auf Wikipedie erfährt man, dass es ange­blich wesentliche Merk­male von Demokra­tien gibt. Die Demokratie beze­ich­net klas­sisch ein Mehrheitswahlrecht. Das aber ist prob­lema­tisch. Für den Philosophen Immanuel Kant ist die klas­sis­che Demokratie als Staats­form, d.h. alle Entschei­dun­gen wer­den über Wahlen getätigt, ein Unrechtsstaat. Denn wenn Recht nur das sein kann, was durch eine Mehrheit entsch­ieden wird, würde eine Min­der­heit, die wech­sel­nd sein kann, jed­erzeit diskri­m­iniert.

Kants ide­al­er Staat ist der Rechtsstaat. Heute wird oft­mals unter Demokratie auch der Rechtsstaat ver­standen, es ist aber hil­fre­ich, bei­de Begriffe auseinan­der zu hal­ten. Der Rechtsstaat bei Kant hat seine Berech­ti­gung dadurch, dass er die fol­gerichtige Entsprechung des Recht­sanspruchs der Men­schen darstellt. Kein ein­fach­er Satz.

Hal­ten wir es klein: Nach Kant ist es ein Recht der Men­schen, untere­inan­der zu klären, worauf sie ein Recht haben und worauf nicht. Ein Rechtsstaat ist nach Kant der einzige Staat, durch den dieses Ver­fahren recht­mäßig durchge­set­zt wer­den kann. Warum? Weil der Rechtsstaat auf der Gewal­tenteilung basiert. Und nach Kant entspricht die Gewal­tenteilung auf staatlich­er Ebene dem men­schlichen Denken. Da lasse ich jet­zt so ste­hen, weil selb­st in der Philoso­phie dieser Gedanke Kants kaum ver­standen wor­den ist.

Aber an dieser Stelle sieht man, dass das ganze The­ma zu schwierig ist, als dass man sich ein­fach empören kön­nte, weil Schüler etwas von diesem The­ma nicht ver­standen hät­ten.

Die Gewal­tenteilung ist aber das, was zu allererst in der DDR abgeschafft wurde und was es so auch im Drit­ten Reich nicht gab. So gab es schon vom Staat aus keine Sicher­heit der Men­schen, dass ihr Recht beachtet wird. Im Gegen­teil: Ihre Rechte kon­nten durch den Staat spon­tan bedro­ht wer­den und es gab über­haupt keinen Schutz vor staatlich­er Willkür. Genau deswe­gen waren bei­des Unrechtsstaat­en: Es wurde gar nicht erst ver­sucht die Grun­drechte ihrer Bürg­er kon­sti­tu­tionell zu schützen.

Facebook hat Benutzer-E-Mail-Adressen geändert

Heute Nacht hat Face­book die Benutzer-E-Mail-Adressen in den Pro­filen der Nutzer verän­dert. Jed­er Nutzer hat eine E-Mail-Adresse der Form Nutzername@Facebook.com. Mails, die an diese Adresse geschickt wer­den, lan­den im Face­book-Post­fach der Nutzer. Das Post­fach ist allerd­ings nicht außer­halb von Face­book abruf­bar. Deswe­gen sind diese E-Mail-Adressen auch etwas unnütz.

Die heutige Umstel­lung dient Face­book wohl nur dazu, E-Mails der Benutzer auf wer­berel­e­van­ten Unhalt hin zu unter­suchen.

Und so ändert man die Umstel­lung:

Gehe auf dein eigenes Pro­fil und klicke im Bere­ich, in dem die E-Mail-Adresse angegeben ist, auf ändern. Dort kann man nun seine eigene E-Mail-Adresse als Haup­tkon­tak­tadresse angeben und die Face­book-E-Mail-Adresse als Nebe­nadresse. Man kann auch ein­stellen, dass von außen gar keine E-Mail-Adresse für Kon­tak­te zur Ver­fü­gung ste­ht.

Sind Äußerungen in Facebook nicht privat?

In Ost­west­falen ist ein Angestell­ter gefeuert wor­den, weil er auf Face­book ein Lied ver­linkt hat­te, das kri­tis­che Arbeits­be­din­gun­gen the­ma­tisiert, und sein Chef es als öffentliche Kri­tik seines Unternehmens gew­ertet hat. Irgend­wie dumm, dass der Angestellte mit seinem Chef auf Face­book befre­un­det war.

Am Ende des Artikels kommt eine Infor­ma­tion, die mir so auch noch nicht bewusst war: Ein Gefällt-mir-Klick auf Face­book kann als eine Belei­di­gung gew­ertet wer­den. Insofern kann ich jet­zt mal aufhören zu behaupten, nur in Ameri­ka könne man wegen eines Gefällt-mir-Klicks auf Face­book rechtlich belangt wer­den.

Deswe­gen warnt der Anwalt Chris­t­ian Somel­cke: “Soziale Net­zw­erke sind nicht pri­vat”. Ist also die Beze­ich­nung “Pri­vat­sphäre-Ein­stel­lun­gen” irreführend?

Zumin­d­est kann man seine eige­nen Ein­träge und die geteil­ten Ein­träge ander­er auf eine Nutzer­gruppe beschränken, z.B. “beste Fre­unde”. Diese Ein­träge kön­nen dann nicht in Verbindung mit mir weit­er­ver­bre­it­et wer­den — im Gegen­satz zu nor­malen Ein­trä­gen, deren Sicht­barkeit man über die Pri­vat­sphäre-Ein­stel­lun­gen nicht beschränkt hat.

Gefällt-mir-Klicks aber kann man nicht so leicht beschränken, sie sind meist öffentliche Äußerun­gen, außer wenn der Urhe­ber des Ein­trags die Sicht­barkeit dieses Ein­trages beschränkt hat. Vor­sicht also mit Gefällt-mir-Klicks.

mehr
golem.de: Warum Kinder­bilder nicht in soziale Net­zw­erke gehören

Buchtipp: Alina Bronsky — Scherbenpark

Ali­na Bron­skys Debutro­man han­delt von Sascha, 17, die ein Buch über ihre Mut­ter schreiben will und ihren Stief­vater töten möchte. Diese doch eher merk­würdi­gen Ziele erk­lären sich aus dem Umfeld, in dem sie sich behaupten muss: Sascha ist Immi­gran­tin aus der Sow­je­tu­nion und muss sich im Ghet­to rund um den Scher­ben­park zurecht find­en:

Hier geht es laut, blutig und derb zu. Der Scher­ben­park ist ein Ort der Kol­li­sio­nen. Hier kracht es zwis­chen Ost und West, Män­nern und Frauen, Reich und Arm, Jung und Alt. Hier wird rus­sis­ch­er Pop gespielt und alte Kriegslieder. Nicht wegzu­denken sind Jugendgangs, Gepan­scht­es in Papp­bech­ern, immer wieder ein Schachspiel und der Abreißkalen­der für die ortho­doxe Haus­frau. Hier fliegen Steine und leere Flaschen. Und hier lebt Sascha.

Weil eine Zeitung ihre Geschichte aufn­immt, kommt sie in Kon­takt zum Redak­teur Volk­er und seinem Sohn, zwis­chen denen sie sich hin und her geris­sen fühlt.

Scher­ben­park ist das best­geschrieben­ste, ein­fall­sre­ich­ste, tre­f­fen­ste und humor­voll­ste in deutsch­er Sprache geschriebene Buch der let­zten Jahre, das mir in den Sinn kommt. Eine Mileustudie im sow­jet-deutschen Migranten­mil­lieu, das durch seine tem­pera­mentvolle Erzählweise für Jugendliche und Erwach­sene span­nend ist.

Leseempfehlung: Ab 14 Jahren

Die Gefahren eines Leistungsschutzrechts

Ich habe let­ztens davon geschrieben, dass in Ameri­ka ein ein­fach­er Gefällt-mir-Klick bei Face­book zum Ver­lust des eige­nen Jobs führen kann. Aber auch in Deutsch­land kann es jet­zt ungemütlich wer­den: Das geplante Leis­tungss­chutzrecht kön­nte zu ein­er neuen Welle von Massen­abmah­nun­gen führen.

Als Angela Merkel vor Kurzem gesagt hat, man müsse den Schutz des geisti­gen Eigen­tums weit­er­hin gewähren, dann weiß ich nicht, ob alle, die damals für diese Bemerkung geklatscht haben, wussten, wofür sie denn da ger­ade klatschen. Denn nun ist durch­gesick­ert, wie denn dieser Schutz seites der Bun­desregierung aussieht: Es ist ein Leis­tungss­chutzrecht geplant oder wie Recht­san­walt Udo Vet­ter meint, eine Arbeits­beschäf­ti­gungs­maß­nahme für Recht­san­wälte (der Recht­san­walt Till Kreutzer sieht das genau­so).

Worum geht es denn?
Im Inter­net wird viel kopiert. Einige dieser Inhalte sind aber vorher finanziert wor­den mit dem Ziel, dass die Her­steller von ihrer Finanzierung prof­i­tieren, nicht irgend­je­mand anders, der mit dem hergestell­ten Werk nichts zu tun hat. Es geht daher um den Wert von Arbeit.

Das klare Prob­lem: Z.B. auf der Seite der ISV wer­den sehr häu­fig Artikel der IVZ eingestellt. Dies ist rechtlich nur dann ok, wenn sich die IVZ hier­mit ein­ver­standen erk­lärt, schließlich bezahlt sie die Jour­nal­is­ten, die diese Artikel her­stellen.

Das Zita­trecht würde die Ver­wen­dung eines Teils solch­er IVZ-Artikel nur dann recht­fer­ti­gen, wenn sie Teil eines eige­nen Beitrages sind, indem auf die Zitate einge­gan­gen wird. Würde die IVZ gegen diese Artikele­in­stel­lun­gen kla­gen, hätte sie gute Chan­cen Recht zu bekom­men. Aber vielle­icht find­en sie es auch gut, dass ander­swo ihr Name auf­taucht. Dieses Recht­sprob­lem wird zudem heute schon durch Geset­ze ein­deutig geregelt.

Den Ver­la­gen stößt Google News dage­gen auf: Google ist ein kom­merzielles Unternehmen und prof­i­tiert von dieser Seite, die ohne eigenes, inhaltlich­es Zutun Kurzauszüge von Blog- und Zeitungsar­tikeln sicht­bar macht. Zwar prof­i­tieren die Zeitun­gen durch diese Seite, weil mehr Leute auf ihre eige­nen Seit­en kom­men. Dass aber auch irgend­wie Google davon prof­i­tiert, stört die Ver­leger.

Das Prob­lem der Abmah­n­welle: Das neue Leis­tungss­chutzrecht kön­nte aber das Zita­trecht noch weit­er ein­schränken. Durch dieses Gesetz kön­nen auch kle­in­ste Bauteile eines Artikels geschützt wer­den, also z.B. Über­schriften oder einzelne Sätze. Ver­lage, das sind diejeni­gen, denen Zeitun­gen gehören, kön­nen daher kla­gen, wenn Bruchteile von Artikeln, die ihnen gehören, woan­ders ste­hen. Beklagt wer­den kann nun eigentlich nur der­jenige, der eine gewerbliche Inter­net­seite hat, d.i. eine Inter­net­seite, auf der zumin­d­est Wer­bung ste­ht. Z.B. Google. Aber Google würde wohl auf ein Leis­tungss­chutzrecht so reagieren, dass man Zeitun­gen nicht mehr ver­linkt.

Tat­säch­lich kann natür­lich jed­er beklagt wer­den: Face­book-Nutzer, Twit­ter-Nutzer oder Blog­ger. Denn die Erfol­gsaus­sicht ein­er rechtlichen Klage­an­dro­hung besagt ja noch nichts über die sin­nvolle Inter­pre­ta­tion eines Geset­zes durch den Kla­gen­den. Ein­fach­er gesagt: Anwälte kön­nten Leute mit dem Ziel verk­la­gen, sie so einzuschüchtern, dass sie Geld zahlen, nur um keinen weit­eren Ärg­er zu haben. Ein solch­es Ver­fahren kön­nte, wenn es erfol­gre­ich ist, d.h. wenn viele Leute zahlen, eine Abmah­n­welle nach sich ziehen.

Was bedeutet das für die Nutzung von Face­book, Twit­ter, Stu­di­vz, OSC etc.?

Erst ein­mal muss man fes­thal­ten, dass wir hier bish­er nur über den Vorschlag zu einem Leis­tungss­chutzrecht sprechen. Vielle­icht kommt das Recht nicht so, wie es ger­ade vor­liegt. Aber man sollte sich darüber Gedanken machen, damit man nicht eines Tages über­rascht wird, weil man auf Face­book wegen eines Kleinz­i­tats verk­lagt wird.

Daher der­selbe Rate wie immer: Face­book- und Twit­ter-Pro­file vor den Augen Fremder abschließen, wenn man darüber als Per­son ein­deutig iden­ti­fiziert wer­den kann, oder gle­ich anonym nutzen.

Udo Vet­ter meint, man könne

den Ver­legern grat­ulieren, dass sie es tat­säch­lich geschafft haben, ihre Kanonen nun auf die von ihnen ohne­hin ungeliebte Nebenöf­fentlichkeit im Netz richt­en zu dür­fen. Neben dem finanziellen Ader­lass dürfte die abse­hbare Shock & Awe – Strate­gie ja auch den Effekt haben, dass sich weniger Men­schen trauen, selb­st Inhalte ins Netz zu stellen. Was wiederum etlichen anderen wieder die Zeit geben kön­nte, Geld für klas­sis­che Presse­pro­duk­te auszugeben.

Fast über­flüs­sig zu erwäh­nen, dass das Leis­tungss­chutzrecht die neue Mei­n­ungs­frei­heit bedro­ht. Wer als Bürg­er nur noch Zeitung lesen, aber nichts mehr im Inter­net dazu sagen darf, kann sich get­rost dig­i­tal kas­tri­ert vorkom­men. Insoweit ist das Leis­tungss­chutzrecht auch ein erster Schritt zurück in die Zeit, als die Medi­en alles, du und ich aber öffentlich nichts zu sagen hat­ten.

mehr
Wikimedia.de: Wikipedia bald ohne Weblinks?
Ste­fan Nigge­meier: Das Leis­tungss­chutzrecht — Sel­ten war es so tot wie heute
Kai Bier­mann: Von Pres­se­tex­ten soll­ten kün­ftig bess­er alle die Fin­ger lassen
Mario Six­tus: Wie man sich mit dem Leis­tungss­chutzrecht eine Google-Melk­mas­chine baut
ZAPP: Urhe­ber­recht — Selb­st­be­di­enung der Ver­lage

AG. Ein Epos aus den fernen Ländern">Buchtipp: Jan Oldenburg — Fantastik AG. Ein Epos aus den fernen Ländern

Die Ferien näh­ern sich. Höch­ste Zeit, sich um Lek­türe zu küm­mern, die man in der kom­menden Zeit mal durch­schmök­ern kann. Ich empfehle an dieser Stelle mal die Fan­tastik AG (Link zur Ver­lags­seite inkl. Leseprobe) von Jan Old­en­burg. Hier­bei han­delt es sich um eine witzige Phan­ta­sy-Geschichte eines Pro­fes­sors und seines Stu­den­ten, die in eine Märchen­welt ein­treten. Das Buch ist für alle, die Har­ry Pot­ter gut fan­den, denen aber die Über­set­zung vielle­icht doch etwas zu gestelzt vorkam. Dem Autor merkt man an, dass ihm das Uni­ver­sität­sleben nicht fremd ist. Jün­gere Leser wer­den dadurch nicht jede iro­nis­che Bemerkung ver­ste­hen. In so einem Fall ein­fach mal die Eltern fra­gen.

Inhalt
(wer sich durch das Buch über­raschen lassen möchte, über­springt den fol­gen­den Text bis zur zweit­en Schere)

Theodor Welk sieht ein­er trüben Zukun­ft ent­ge­gen: Er studiert im 27. Semes­ter Phan­tastik bei einem Pro­fes­sor, der auch noch densel­ben Namen wie er selb­st trägt. Aber das tut nichts zur Sache. Stu­den­ten der Phan­tastik bieten sich sowieso keine rosi­gen Aus­sicht­en: Der let­zte, der in diesem Fach seinen Dok­tor gemacht hat, arbeit­et inzwis­chen am Imbis­stand des Bahn­hofs. Jet­zt soll auch noch der Stu­di­en­gang gestrichen wer­den.

Etwas Aufre­gung kommt in sein Leben als er gemein­sam mit seinem Pro­fes­sor, Prof. Dr. phil. Dr. phan. Hierony­mus C. Welk (nicht ver­wandt oder ver­schwägert), im Hör­saal 043a eingeschlossen wird. Dort ent­deck­en sie den Ein­gang in das Reich der fer­nen Län­der.

Und so tre­f­fen sie auf skurile Fig­uren wie z.B. Hä, den Gott der Blöd­heit, seines Zeichens Namensge­ber für das antimagis­che Met­all Stu­pid­i­um. Diese Welt wird von der »Fan­tastik AG«, einem Bund dun­kler Kobolde, beherrscht, die nichts weniger im Sinn haben als den Wel­tun­ter­gang anstreben. Gelingt es dem Pro­fes­sor und seinem Zögling, den Kobold­en Ein­halt zu gebi­eten?

Altersempfehlung: Ab 12 Jahre, aber sicher­lich auch für Erwach­sene inter­es­sant
Preis: Das Buch kostet in gebun­den­er Form 14,99€, als Hör­buch 20,95€ und als E-Book 11,99€.

Das gefilterte Internet

In diesem Beitrag habe ich über das manip­ulierte Inter­net geschrieben. Dort bezog ich mich darauf, dass einem Inter­net­nutzer Infor­ma­tio­nen, die er gebrauchen kann, voren­thal­ten wer­den. Die andere Seite der Medaille ist, dass Infor­ma­tio­nen im Inter­net oft so geballt auftreten, dass man dauernd einord­nen muss, was man gebrauchen kann und was nicht. Und es gibt auch Infor­ma­tio­nen, bei denen es nicht unbe­d­ingt schlecht ist, dass sie einen erre­ichen.

Vor ein paar Jahren habe ich im Zuge der Kriegsau­seinan­der­set­zun­gen der Amerikan­er mal nach Gewalt­tat­en gegen Amerikan­er gegooglet. Gefun­den habe ich Videos, die mich fast schon ver­stört haben. Die Gewalt­darstel­lun­gen waren wesentlich erschreck­ender als das, worauf ich gefasst war. Solche Videos waren ganz ein­fach auf den englis­chen Seit­en der Wikipedia ver­linkt. Auf den deutschen Seit­en nicht. Und ich fand es ganz gut, dass das so war. Google und Wikipedia, in der Form, wie deutsche Wikipedia-Schreiber sie hal­ten, haben Inhalte gefiltert, die ver­störende Wirkung haben. Diejeni­gen, die diese Inhalte unbe­d­ingt sehen wollen, wer­den Wege find­en, sie zu bekom­men.

Die Inter­nutzer sel­ber kön­nen auch fil­tern, was für Infor­ma­tio­nen sie erre­ichen sollen. Eine sehr beliebte Seite für Zeitungsnachricht­en aus unter­schiedlichen Quellen ist Google News. Wenn man ein Google-E-Mail-Kon­to hat und bei Google ein­gel­og­gt ist, kann man diese Seite für die eige­nen Inter­essen anpassen. Man klickt auf das Zah­n­rad über “Neueste Nachricht­en” und kann dort bes­timmte Nachricht­en­quellen (z.B. “Ibben­büren­er Volk­szeitung”) hinzufü­gen und andere (z.B. “BILD”) auss­chließen.

Über Blogs hat sich die Tech­nik von RSS-Feeds ver­bre­it­et. RSS-Feeds sind spezielle Inter­net­seit­en, die lediglich Texte und kaum Grafiken oder Wer­bung bein­hal­ten. Diese Seit­en sind abon­nier­bar in soge­nan­nten Fee­dread­ern (z.B. der Google Read­er). Und so geht’s:

Man kann auch ohne Google auskom­men, indem man z.B. für Fire­fox die Erweiterung News­fox instal­liert.

Und was sollte man so abon­nieren? Das hängt natür­lich ganz vom eige­nen Geschmack ab. Aber hier ein paar Tipps:

Manche Feeds wer­den nur als Snip­pets, d.h. Kurzein­träge, von den Seit­en geliefert. Abhil­fe schaf­fen hier Dien­ste wie http://fulltextrssfeed.com/, die aus Snip­pets-Feeds kom­plette Feeds machen.

Das manipulierte Internet

In Zusam­men­hang mit der Infor­ma­tion, dass die Sch­u­fa Face­book-Nutzer­dat­en auswerten will, d.h. dass man unter Umstän­den Infor­ma­tio­nen online stellt, die einem Nachteile erbrin­gen kön­nen, sollte man auch kurz einen Blick auf die andere Seite der Medaille wer­fen: Infor­ma­tio­nen, die uns nicht erre­ichen, weil es Nutzer­pro­file gibt.

Der Inter­ne­tak­tivist Eli Paris­er hat zu diesem The­ma im let­zten Jahr einen Vor­trag gehal­ten. Er warnt: Durch Nutzer­pro­file erre­ichen Inter­net­nutzer nur noch bes­timmte Infor­ma­tio­nen. Der Nutzer entschei­det nicht darüber, was für Infor­ma­tio­nen ihn erre­ichen. Dabei kön­nten genau solche Infor­ma­tio­nen, die ihn sys­tem­a­tisch nicht erre­ichen, wichtig für ihn sein.

(Der Vor­trag ist zwar auf englisch, man kapiert aber wichtige Infor­ma­tio­nen ohne jedes einzelne Wort zu ver­ste­hen.)