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Jugendlager in Spanien 2018

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Kinder-Sommerkarussell 2017

Die Vorbereitungen für das Kinderferienprogramm, das in diesem Jahr bereits zum 11. Mal von der Stadtmarketing Ibbenbüren GmbH in Kooperation mit dem Ibbenbürener Bündnis...

Kulturrucksack 2017

Egal, ob der April dann wettermäßig wieder mal macht, was er will – mit dem launischsten aller Monate wird es für Kinder und Jugendliche in Ibbenbüren und Hörstel jedenfa...

Buchtipp: Alina Bronsky — Scherbenpark

Ali­na Bron­skys Debutro­man han­delt von Sascha, 17, die ein Buch über ihre Mut­ter schreiben will und ihren Stief­vater töten möchte. Diese doch eher merk­würdi­gen Ziele erk­lären sich aus dem Umfeld, in dem sie sich behaupten muss: Sascha ist Immi­gran­tin aus der Sow­je­tu­nion und muss sich im Ghet­to rund um den Scher­ben­park zurecht finden: 

Hier geht es laut, blutig und derb zu. Der Scher­ben­park ist ein Ort der Kol­li­sio­nen. Hier kracht es zwis­chen Ost und West, Män­nern und Frauen, Reich und Arm, Jung und Alt. Hier wird rus­sis­ch­er Pop gespielt und alte Kriegslieder. Nicht wegzu­denken sind Jugendgangs, Gepan­scht­es in Papp­bech­ern, immer wieder ein Schachspiel und der Abreißkalen­der für die ortho­doxe Haus­frau. Hier fliegen Steine und leere Flaschen. Und hier lebt Sascha.

Weil eine Zeitung ihre Geschichte aufn­immt, kommt sie in Kon­takt zum Redak­teur Volk­er und seinem Sohn, zwis­chen denen sie sich hin und her geris­sen fühlt.

Scher­ben­park ist das best­geschrieben­ste, ein­fall­sre­ich­ste, tre­f­fen­ste und humor­voll­ste in deutsch­er Sprache geschriebene Buch der let­zten Jahre, das mir in den Sinn kommt. Eine Mileustudie im sow­jet-deutschen Migranten­mil­lieu, das durch seine tem­pera­mentvolle Erzählweise für Jugendliche und Erwach­sene span­nend ist.

Leseempfehlung: Ab 14 Jahren

Die Gefahren eines Leistungsschutzrechts

Ich habe let­ztens davon geschrieben, dass in Ameri­ka ein ein­fach­er Gefällt-mir-Klick bei Face­book zum Ver­lust des eige­nen Jobs führen kann. Aber auch in Deutsch­land kann es jet­zt ungemütlich wer­den: Das geplante Leis­tungss­chutzrecht kön­nte zu ein­er neuen Welle von Massen­abmah­nun­gen führen.

Als Angela Merkel vor Kurzem gesagt hat, man müsse den Schutz des geisti­gen Eigen­tums weit­er­hin gewähren, dann weiß ich nicht, ob alle, die damals für diese Bemerkung geklatscht haben, wussten, wofür sie denn da ger­ade klatschen. Denn nun ist durch­gesick­ert, wie denn dieser Schutz seites der Bun­desregierung aussieht: Es ist ein Leis­tungss­chutzrecht geplant oder wie Recht­san­walt Udo Vet­ter meint, eine Arbeits­beschäf­ti­gungs­maß­nahme für Recht­san­wälte (der Recht­san­walt Till Kreutzer sieht das genauso).

Worum geht es denn?
Im Inter­net wird viel kopiert. Einige dieser Inhalte sind aber vorher finanziert wor­den mit dem Ziel, dass die Her­steller von ihrer Finanzierung prof­i­tieren, nicht irgend­je­mand anders, der mit dem hergestell­ten Werk nichts zu tun hat. Es geht daher um den Wert von Arbeit.

Das klare Prob­lem: Z.B. auf der Seite der ISV wer­den sehr häu­fig Artikel der IVZ eingestellt. Dies ist rechtlich nur dann ok, wenn sich die IVZ hier­mit ein­ver­standen erk­lärt, schließlich bezahlt sie die Jour­nal­is­ten, die diese Artikel herstellen.

Das Zita­trecht würde die Ver­wen­dung eines Teils solch­er IVZ-Artikel nur dann recht­fer­ti­gen, wenn sie Teil eines eige­nen Beitrages sind, indem auf die Zitate einge­gan­gen wird. Würde die IVZ gegen diese Artikele­in­stel­lun­gen kla­gen, hätte sie gute Chan­cen Recht zu bekom­men. Aber vielle­icht find­en sie es auch gut, dass ander­swo ihr Name auf­taucht. Dieses Recht­sprob­lem wird zudem heute schon durch Geset­ze ein­deutig geregelt.

Den Ver­la­gen stößt Google News dage­gen auf: Google ist ein kom­merzielles Unternehmen und prof­i­tiert von dieser Seite, die ohne eigenes, inhaltlich­es Zutun Kurzauszüge von Blog- und Zeitungsar­tikeln sicht­bar macht. Zwar prof­i­tieren die Zeitun­gen durch diese Seite, weil mehr Leute auf ihre eige­nen Seit­en kom­men. Dass aber auch irgend­wie Google davon prof­i­tiert, stört die Verleger.

Das Prob­lem der Abmah­n­welle: Das neue Leis­tungss­chutzrecht kön­nte aber das Zita­trecht noch weit­er ein­schränken. Durch dieses Gesetz kön­nen auch kle­in­ste Bauteile eines Artikels geschützt wer­den, also z.B. Über­schriften oder einzelne Sätze. Ver­lage, das sind diejeni­gen, denen Zeitun­gen gehören, kön­nen daher kla­gen, wenn Bruchteile von Artikeln, die ihnen gehören, woan­ders ste­hen. Beklagt wer­den kann nun eigentlich nur der­jenige, der eine gewerbliche Inter­net­seite hat, d.i. eine Inter­net­seite, auf der zumin­d­est Wer­bung ste­ht. Z.B. Google. Aber Google würde wohl auf ein Leis­tungss­chutzrecht so reagieren, dass man Zeitun­gen nicht mehr verlinkt.

Tat­säch­lich kann natür­lich jed­er beklagt wer­den: Face­book-Nutzer, Twit­ter-Nutzer oder Blog­ger. Denn die Erfol­gsaus­sicht ein­er rechtlichen Klage­an­dro­hung besagt ja noch nichts über die sin­nvolle Inter­pre­ta­tion eines Geset­zes durch den Kla­gen­den. Ein­fach­er gesagt: Anwälte kön­nten Leute mit dem Ziel verk­la­gen, sie so einzuschüchtern, dass sie Geld zahlen, nur um keinen weit­eren Ärg­er zu haben. Ein solch­es Ver­fahren kön­nte, wenn es erfol­gre­ich ist, d.h. wenn viele Leute zahlen, eine Abmah­n­welle nach sich ziehen.

Was bedeutet das für die Nutzung von Face­book, Twit­ter, Stu­di­vz, OSC etc.?

Erst ein­mal muss man fes­thal­ten, dass wir hier bish­er nur über den Vorschlag zu einem Leis­tungss­chutzrecht sprechen. Vielle­icht kommt das Recht nicht so, wie es ger­ade vor­liegt. Aber man sollte sich darüber Gedanken machen, damit man nicht eines Tages über­rascht wird, weil man auf Face­book wegen eines Kleinz­i­tats verk­lagt wird.

Daher der­selbe Rate wie immer: Face­book- und Twit­ter-Pro­file vor den Augen Fremder abschließen, wenn man darüber als Per­son ein­deutig iden­ti­fiziert wer­den kann, oder gle­ich anonym nutzen.

Udo Vet­ter meint, man könne

den Ver­legern grat­ulieren, dass sie es tat­säch­lich geschafft haben, ihre Kanonen nun auf die von ihnen ohne­hin ungeliebte Nebenöf­fentlichkeit im Netz richt­en zu dür­fen. Neben dem finanziellen Ader­lass dürfte die abse­hbare Shock & Awe – Strate­gie ja auch den Effekt haben, dass sich weniger Men­schen trauen, selb­st Inhalte ins Netz zu stellen. Was wiederum etlichen anderen wieder die Zeit geben kön­nte, Geld für klas­sis­che Presse­pro­duk­te auszugeben.

Fast über­flüs­sig zu erwäh­nen, dass das Leis­tungss­chutzrecht die neue Mei­n­ungs­frei­heit bedro­ht. Wer als Bürg­er nur noch Zeitung lesen, aber nichts mehr im Inter­net dazu sagen darf, kann sich get­rost dig­i­tal kas­tri­ert vorkom­men. Insoweit ist das Leis­tungss­chutzrecht auch ein erster Schritt zurück in die Zeit, als die Medi­en alles, du und ich aber öffentlich nichts zu sagen hatten. 

mehr
Wikimedia.de: Wikipedia bald ohne Weblinks?
Ste­fan Nigge­meier: Das Leis­tungss­chutzrecht — Sel­ten war es so tot wie heute
Kai Bier­mann: Von Pres­se­tex­ten soll­ten kün­ftig bess­er alle die Fin­ger lassen
Mario Six­tus: Wie man sich mit dem Leis­tungss­chutzrecht eine Google-Melk­mas­chine baut 
ZAPP: Urhe­ber­recht — Selb­st­be­di­enung der Verlage

AG. Ein Epos aus den fernen Ländern">Buchtipp: Jan Oldenburg — Fantastik AG. Ein Epos aus den fernen Ländern

Die Ferien näh­ern sich. Höch­ste Zeit, sich um Lek­türe zu küm­mern, die man in der kom­menden Zeit mal durch­schmök­ern kann. Ich empfehle an dieser Stelle mal die Fan­tastik AG (Link zur Ver­lags­seite inkl. Leseprobe) von Jan Old­en­burg. Hier­bei han­delt es sich um eine witzige Phan­ta­sy-Geschichte eines Pro­fes­sors und seines Stu­den­ten, die in eine Märchen­welt ein­treten. Das Buch ist für alle, die Har­ry Pot­ter gut fan­den, denen aber die Über­set­zung vielle­icht doch etwas zu gestelzt vorkam. Dem Autor merkt man an, dass ihm das Uni­ver­sität­sleben nicht fremd ist. Jün­gere Leser wer­den dadurch nicht jede iro­nis­che Bemerkung ver­ste­hen. In so einem Fall ein­fach mal die Eltern fragen.

Inhalt
(wer sich durch das Buch über­raschen lassen möchte, über­springt den fol­gen­den Text bis zur zweit­en Schere)

Theodor Welk sieht ein­er trüben Zukun­ft ent­ge­gen: Er studiert im 27. Semes­ter Phan­tastik bei einem Pro­fes­sor, der auch noch densel­ben Namen wie er selb­st trägt. Aber das tut nichts zur Sache. Stu­den­ten der Phan­tastik bieten sich sowieso keine rosi­gen Aus­sicht­en: Der let­zte, der in diesem Fach seinen Dok­tor gemacht hat, arbeit­et inzwis­chen am Imbis­stand des Bahn­hofs. Jet­zt soll auch noch der Stu­di­en­gang gestrichen werden. 

Etwas Aufre­gung kommt in sein Leben als er gemein­sam mit seinem Pro­fes­sor, Prof. Dr. phil. Dr. phan. Hierony­mus C. Welk (nicht ver­wandt oder ver­schwägert), im Hör­saal 043a eingeschlossen wird. Dort ent­deck­en sie den Ein­gang in das Reich der fer­nen Länder.

Und so tre­f­fen sie auf skurile Fig­uren wie z.B. Hä, den Gott der Blöd­heit, seines Zeichens Namensge­ber für das antimagis­che Met­all Stu­pid­i­um. Diese Welt wird von der »Fan­tastik AG«, einem Bund dun­kler Kobolde, beherrscht, die nichts weniger im Sinn haben als den Wel­tun­ter­gang anstreben. Gelingt es dem Pro­fes­sor und seinem Zögling, den Kobold­en Ein­halt zu gebieten?

Altersempfehlung: Ab 12 Jahre, aber sicher­lich auch für Erwach­sene interessant
Preis: Das Buch kostet in gebun­den­er Form 14,99€, als Hör­buch 20,95€ und als E-Book 11,99€.

Das gefilterte Internet

In diesem Beitrag habe ich über das manip­ulierte Inter­net geschrieben. Dort bezog ich mich darauf, dass einem Inter­net­nutzer Infor­ma­tio­nen, die er gebrauchen kann, voren­thal­ten wer­den. Die andere Seite der Medaille ist, dass Infor­ma­tio­nen im Inter­net oft so geballt auftreten, dass man dauernd einord­nen muss, was man gebrauchen kann und was nicht. Und es gibt auch Infor­ma­tio­nen, bei denen es nicht unbe­d­ingt schlecht ist, dass sie einen erreichen.

Vor ein paar Jahren habe ich im Zuge der Kriegsau­seinan­der­set­zun­gen der Amerikan­er mal nach Gewalt­tat­en gegen Amerikan­er gegooglet. Gefun­den habe ich Videos, die mich fast schon ver­stört haben. Die Gewalt­darstel­lun­gen waren wesentlich erschreck­ender als das, worauf ich gefasst war. Solche Videos waren ganz ein­fach auf den englis­chen Seit­en der Wikipedia ver­linkt. Auf den deutschen Seit­en nicht. Und ich fand es ganz gut, dass das so war. Google und Wikipedia, in der Form, wie deutsche Wikipedia-Schreiber sie hal­ten, haben Inhalte gefiltert, die ver­störende Wirkung haben. Diejeni­gen, die diese Inhalte unbe­d­ingt sehen wollen, wer­den Wege find­en, sie zu bekommen.

Die Inter­nutzer sel­ber kön­nen auch fil­tern, was für Infor­ma­tio­nen sie erre­ichen sollen. Eine sehr beliebte Seite für Zeitungsnachricht­en aus unter­schiedlichen Quellen ist Google News. Wenn man ein Google-E-Mail-Kon­to hat und bei Google ein­gel­og­gt ist, kann man diese Seite für die eige­nen Inter­essen anpassen. Man klickt auf das Zah­n­rad über “Neueste Nachricht­en” und kann dort bes­timmte Nachricht­en­quellen (z.B. “Ibben­büren­er Volk­szeitung”) hinzufü­gen und andere (z.B. “BILD”) ausschließen.

Über Blogs hat sich die Tech­nik von RSS-Feeds ver­bre­it­et. RSS-Feeds sind spezielle Inter­net­seit­en, die lediglich Texte und kaum Grafiken oder Wer­bung bein­hal­ten. Diese Seit­en sind abon­nier­bar in soge­nan­nten Fee­dread­ern (z.B. der Google Read­er). Und so geht’s:

Man kann auch ohne Google auskom­men, indem man z.B. für Fire­fox die Erweiterung News­fox installiert.

Und was sollte man so abon­nieren? Das hängt natür­lich ganz vom eige­nen Geschmack ab. Aber hier ein paar Tipps:

Manche Feeds wer­den nur als Snip­pets, d.h. Kurzein­träge, von den Seit­en geliefert. Abhil­fe schaf­fen hier Dien­ste wie http://fulltextrssfeed.com/, die aus Snip­pets-Feeds kom­plette Feeds machen.

Das manipulierte Internet

In Zusam­men­hang mit der Infor­ma­tion, dass die Sch­u­fa Face­book-Nutzer­dat­en auswerten will, d.h. dass man unter Umstän­den Infor­ma­tio­nen online stellt, die einem Nachteile erbrin­gen kön­nen, sollte man auch kurz einen Blick auf die andere Seite der Medaille wer­fen: Infor­ma­tio­nen, die uns nicht erre­ichen, weil es Nutzer­pro­file gibt.

Der Inter­ne­tak­tivist Eli Paris­er hat zu diesem The­ma im let­zten Jahr einen Vor­trag gehal­ten. Er warnt: Durch Nutzer­pro­file erre­ichen Inter­net­nutzer nur noch bes­timmte Infor­ma­tio­nen. Der Nutzer entschei­det nicht darüber, was für Infor­ma­tio­nen ihn erre­ichen. Dabei kön­nten genau solche Infor­ma­tio­nen, die ihn sys­tem­a­tisch nicht erre­ichen, wichtig für ihn sein.

(Der Vor­trag ist zwar auf englisch, man kapiert aber wichtige Infor­ma­tio­nen ohne jedes einzelne Wort zu verstehen.)

Schufa will Nutzerdaten aus Facebook und Twitter

[Update 08.06.2012: Das beteiligte Insti­tut hat das Pro­jekt inzwis­chen abge­blasen.]

Das größte deutsche Wirtschaft­sauskun­ft­sun­ternehmen Sch­u­fa, das mit­tler­weile 66,2 Mio. Per­so­n­en erfasst hat, möchte Dat­en von Benutzern aus Twit­ter und Face­book auswerten. Aus Tex­ten und Beziehun­gen sollen Rückschlüsse auf das Ver­braucherver­hal­ten und die Kred­itwürdigkeit von Per­so­n­en gemacht wer­den. Passende Pro­gramme sollen an der Uni­ver­sität Pots­dam entwick­elt werden.

Noch mehr Gründe also, dass eigene Pro­fil vor Blick­en ander­er zu schützen, so viele Fre­unde anzuhäufen, dass darüber keine sin­nvollen Schlüsse mehr gezo­gen wer­den kön­nen, Face­book nur mit Pseu­do­nym zu nutzen oder ganz zu verlassen.

mehr

ethannonsequitur.com: You’re not the cus­tomer, you’re the product
Ham­burg­er Abend­blatt: Fir­men über­schätzen Ein­fluss von Face­book auf Verbraucher
tante’s blog: Face­book und die Schufa

Zitierfreiheit nur bei bestimmten Zitatzwecken

Seit­dem diverse Poli­tik­er ihren Dok­tor­grad wieder abgeben durften, weil sie unko­r­rekt zitiert hat­ten, ist die Frage, wie man den wis­senschaftlich zitieren darf oft aufge­wor­fen wor­den (Man muss schlicht jedes Zitat kennze­ich­nen). Der Bun­des­gericht­shof hat nun klargestellt, wie das Zitieren im nicht wis­senschaftlichen Rah­men erfol­gen darf: Sel­tener als so manch­er dachte.

Ich für meinen Teil habe in der Grund­schule in diverse Schul­fre­unde-Büch­er geschrieben. Ich erin­nere mich, dass es neben den Fra­gen nach der Lieblingsmusik und den Lieblings­fil­men manch­mal auch am Ende Platz für einen eige­nen Gruß blieb. Den füll­ten manche mit ihrem Lieblingsz­i­tat. Wußten die wohl, dass sie damit gegen deutsches Recht verstießen?

Die Zitier­frei­heit ges­tat­tet es nicht, ein fremdes Werk nur um sein­er selb­st willen zur Ken­nt­nis der All­ge­mein­heit zu brin­gen. […] Die Ver­fol­gung des Zitatzwecks im Sinne des § 51 UrhG erfordert vielmehr, dass der Zitierende eine innere Verbindung zwis­chen dem frem­den Werk und den eige­nen Gedanken her­stellt und das Zitat als Beleg­stelle oder Erörterungs­grund­lage für selb­ständi­ge Aus­führun­gen des Zitieren­den erscheint.

laut­en die wesentliche Stelle in der Veröf­fentlichung des Bun­des­gericht­shof. Das bedeutet nichts anderes, als dass Zitate, wie man sie aus solchen Schul­fre­und­büch­ern, von Buchdeck­eln oder von Face­book-Pin­nwän­den ken­nt, streng genom­men gegen das Urhe­ber­recht ver­stoßen, so lange noch ein Urhe­ber­recht­sanspruch auf das entsprechende Werk besteht.

Natür­lich gilt auch hier: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber man kann sich eben nicht sich­er sein, dass nie­mand klagt, ger­ade nicht bezo­gen auf Face­book-Pin­nwän­den, die offen für jed­er­mann sind.

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WDR.de:  Karl Valentin und die Anwälte

Zu Besuch bei der integrativen Jugendarbeit: Was bedeutet denn Integration?

Es ist Dien­stagabend, etwas zu kalt für Juni, aber immer­hin ist die Sonne raus­gekom­men. Ich tre­ffe Richard Gemar, den Leit­er des Pro­jek­ts zur inte­gra­tiv­en Jugen­dar­beit in Ibben­büren, nach dem Jugend­hil­feauss­chuss vor der Sporthalle, erzäh­le etwas von der Sitzung, in der es auch um ihn ging, und dass man sich freue, dass nach seinen Sportver­anstal­tun­gen keine Bier­flaschen weg­geräumt wer­den müssten. 

Ach, jee,

winkt Richard kopf­schüt­tel­nd ab, 

das ist doch ganz falsch. Bei mir trinkt nie­mand. Ganz am Anfang, beim Mit­ter­nachtss­port, da kamen einige an und haben getrunk­en und ger­aucht. Da habe ich sie ins Gebet genom­men und gesagt, sie kön­nen gerne wieder kom­men — wenn sie nicht trinken und rauchen. Und das war’s. Aber das war in den 90ern. 

Aber sowas hört man manch­mal. Ein­mal bin ich gefragt wor­den: ‘Richard, warum spuck­en die Rus­s­land-Deutschen vor die Sporthalle?’ Ich habe gefragt: ‘Wie kannst du an der Spucke erken­nen, dass sie von Rus­s­land-Deutschen ist?’ Nein, das machen Jugendliche, wenn sie anfan­gen zu rauchen. Dann spuck­en sie den ersten Monat lang. Das machen alle: Deutsche, Russen und Türken.

Aber bei mir raucht kein­er. Ich bin da etwas streng, sich­er, so war man bei uns. Der Lehrer ist der Chef, gegen den wird nichts gesagt. Damals wurde nicht genörgelt oder kri­tisiert. Ich weiß, hier ist das anders. Und ich habe mich auch geän­dert, ich bin ja schon 20 Jahre hier. Aber das hat früher gut funktioniert.

Ich wende ein, dass die Dinge hier für Her­anwach­sende aber eben auch anders laufen — eben nicht so ein­fach wie früher. Meine Fre­undin kommt aus der Ukraine und ihre Ver­wandten von dort haben sich sehr zornig gezeigt, als der Staat ihr nach ihrem Studi­um nicht direkt eine Arbeitsstelle ange­boten hat. Richard lacht.

Ja, weißt du, wir haben früher dazu einen Witz gehabt. Da ruft jemand bei Stal­in an: “Genosse Stal­in, mir wird kein Job ange­boten.” — “Genosse Arbeit­er, wer leit­et ihre Kolchose?”

Richard lacht. Ich ver­ste­he den Witz nicht.

Na, das ist so, 

sagt Richard,

damals gab es ein Gesetz, dass jedem in der Sow­je­tu­nion ein Beruf zur Ver­fü­gung gestellt wird. Per Gesetz. Jed­er kriegt einen Job. Der Arbeit­er kriegt nun den Beruf des Kol­chose­führers und der geht nach Sibirien.

Inzwsichen trudeln die Teil­nehmer sein­er Gruppe ein. Ich besuche die Gruppe zum zweit­en Mal. Wenn ich von dieser Sport­gruppe bish­er etwas gel­ernt habe, dann das, mir meine eige­nen Vorurteile einzugeste­hen. Nicht alle Jugendlichen mit sow­jetis­chem Hin­ter­grund sind Deutsch-Russen. Einige sind durch aus in deutschen Sportvere­inen angemeldet. Das war unge­fähr so passend, wie meine Mei­n­ung, in der Sow­je­tu­nion sei grund­sät­zlich schlechteres Wet­ter als bei uns. Pustekuchen. In vie­len Teilen der ehe­ma­li­gen Sow­je­tu­nion ist das Kli­ma deut­lich angenehmer als in Deutsch­land. Richard ist meinem Vorhaben gegenüber, etwas über die Gruppe zu doku­men­tieren um Vorurteile abzubauen, skep­tisch. Es sei doch so, dass die einen Men­schen dies dächt­en und die anderen das. Er habe da nichts gegen.

Wenn “Russen” und “Deutsche” aufeinan­der tre­f­fen, sind der­art unter­schiedliche Ansicht­en aber nicht ungewöhn­lich. Wenn er eine Ungerechtigkeit ent­deckt, sagt der Deutsche: “Was eine Ungerechtigkeit! Wie ärg­er­lich! Da müssen wir was gegen tun!” und der Russe sagt: “Was eine Ungerechtigkeit! Wie ärg­er­lich! Da kann man wohl nichts machen. Haupt­sache, es erregt keine Aufmerksamkeit!”

Ich komme mit eini­gen ins Gespräch. Das ist ein Jugendlich­er, der sich schon poli­tisch engagiert hat. Er hat sich damals für inte­gra­tive Sportar­beit aus­ge­sprochen. Seit den Erfahrun­gen, die er damals gemacht hat, möchte er sich nicht mehr öffentlich äußern. En Inter­view mit mir ist daher unmöglich, man kön­nte ihn an der Stimme erken­nen, sagt er. Ich lasse mir die Sach­lage erk­lären und kann mir vorstellen, welche Per­so­n­en er meint. Ob er nur keine Lust hat oder doch berechtigt Kon­se­quen­zen befürchtet? Ich würde let­zteres nicht auss­chließen wollen. Er hält die inte­gra­tive Sportar­beit für sehr sin­nvoll, es sollte mehr davon geben. Anson­sten wür­den die Leute Unsinn anstellen.

Ich erzäh­le, dass ich fest­gestellt habe, dass Unsere­inem gar nicht bewusst sei, wie oft man als Immi­grant mit komis­chem Ver­hal­ten der Nichtim­mi­granten zu tun hat. Davon kön­nen viele eine Geschichte erzählen. Ich habe gedacht, es seien Geschicht­en, die schon über­standen wären, die schon etwas her wären. Aber nein, mit sowas haben die Jugendlichen tagtäglich zu tun. 

Ein Mäd­chen erzählt mir, dass sie aus der Klassen­stunde gewor­fen wor­den wäre, weil sie ein rus­sis­ches Wort aus­ge­sprochen hätte. Das finde ich irri­tierend, ger­ade weil ich neulich einen Ver­hal­tens­forsch­er gehört habe, der meinte, jed­er würde in der Sprache zählen, die er als allererstes gel­ernt hätte. Man legt dem­nach nicht alles ein­fach so ab, was man mal gel­ernt hat.

Ein anderes Mäd­chen erzählt, dass sie erst neulich gemerkt hat, dass ein Arbeit­skol­lege sich ihr gegenüber anders ver­hält, weil sie anders wäre, weil sie deutsch mit markant rol­len­dem R spräche. Ich frage sie, was sie vom Begriff Inte­gra­tion halte. Sie habe mal einen Vor­trag dazu in der Schule gehal­ten, sagt sie. Aber sie habe Schwierigkeit­en mit diesem Wort. Sie ver­hält sich nicht anders als die Immer-schon-Deutschen, hat einen nor­malen Beruf, spricht fließend deutsch, aber ob das schon Inte­gra­tion ist?

Ihre Fre­undin wun­dert sich darüber, dass ich über die Lage der immi­gri­erten, jun­gen Deutschen schreiben will: 

Die Leute haben halt Vorurteile, 

sagt sie,

das ist halt so. Das wird man auch nicht ändern können.

- Naja,

sage ich,

was immer Inte­gra­tion genau bedeuten soll, ich glaube nicht, das es heißt, dass man sich mit Diskri­m­inierun­gen abfind­en soll.

Datenschutz und weniger Werbung für den Browser

Ein­er­seits finanzieren sich viele Inter­net­seit­en über Wer­bung. Besucht man häu­figer Seit­en, die ihr Ange­bot darüber finanzieren, ist es eine Form von Fre­undlichkeit, diese Seit­en ab und an mit einem Klick auf die Wer­bung zu unterstützen.

Aber man möchte auch nicht dauernd von klick­enden Wer­be­ban­nern gen­ervt wer­den. Dage­gen hil­ft das Plu­g­in Adblock, das es für Fire­fox und Chrome gibt.

Mit diesem Plu­g­in kann man aber auch das Laden von Twit­ter- und Face­book-Knöpfen unterbinden. Diese Knöpfe (engl. “But­tons”) dienen seit­ens der Anbi­eter nur dazu, mehr Infor­ma­tio­nen über den jew­eili­gen Inter­net­be­nutzer sam­meln zu können.

Um über Adblock diesen Knöpfen aus dem Weg zu gehen, klickt man in den Ein­stel­lun­gen des Plu­g­ins ein­fach auf “Neuer Fil­ter” und gibt diese Adresse an: https://adversity.googlecode.com/hg/Antisocial.txt.

Aktion Klehranlage — Haftung für Links

Eine Ver­linkung im Inter­net, und genauer: Das Set­zen eines Links von Per­so­n­en, die deutschem Recht unter­ste­hen, ist eine heik­le Sache. Und obwohl das Inter­net mehr als 20 Jahre alt ist, scheint die Rechtssprechung in diesem Fall noch in den Kinder­schuhen zu stecken.

Lange Zeit herrschte unter Betreiber ein­er Inter­net­seite die irrtüm­liche Mei­n­ung, dass ein schriftlich­er Hin­weis, dass man keine Haf­tung für den Inhalt sein­er Links übernehme, aus­re­icht, um gegen rechtliche Schritte geschützt zu sein. Dem war aber nie so.

Der Mün­ster­an­er Anwalt und Zauber­er Markus Kom­pa dachte zumin­det, als er einen Link auf ein Youtube-Video set­zte, dass sich mit einem ange­blich Krebs heilen­den Arzt auseinan­der­set­zt, dass er damit nicht für den Inhalt des Videos ver­ant­wortlich ist. Der Arzt jedoch verk­lagte daraufhin Kom­pa und das Landgericht Ham­burg gab dem Arzt recht. 

Dass das LG Ham­burg ins Spiel gebracht wurde, ist nicht ganz ver­wun­der­lich. In Inter­ne­tan­gele­gen­heit­en rufen Kläger gerne dieses Landgericht an, das ein fliegen­der Gerichts­stand ist und als einziges Gericht in Deutsch­land Kla­gen bzgl. Inter­net­seit­en annimmt, nur weil diese auch im eige­nen Bun­des­land aufruf­bar sind. Das Gericht urteilte, dass man einen Inhalt durch einen Link ver­bre­it­et und deswe­gen dafür ver­ant­wortlich ist, auch wenn man sich dessen Inhalt nicht zu eigen macht.

Das heißt, folge ich dem Gericht, darf ich das betr­e­f­fende Video an dieser Stelle nicht ver­linken. Aber ich kann sagen, wie man es find­et: Wenn man z.B. youtube aufruft und “Klehr ZDF” ein­gibt. Wenn ich das Gericht richtig ver­standen habe, muss ein Leser dieser Zeilen dann einen eige­nen Rechercheaufwand betreiben (“Klehr ARD” und “Klehr quer” sind übri­gens auch interessant).

Ander­er­seits würde diese Auf­fas­sung eine deut­liche Ein­schränkung der Prax­is des Linkset­zen bedeuten: Wer will schon Haf­tung über eine ver­link­te Seite nehmen, von der man gar nicht weiß, welche Inhalte dort inzwis­chen dargestellt werden.

Aktion Klehran­lage

Weil er mit dem Urteil alles andere als ein­ver­standen ist, hat Markus Kom­pa den Recht­san­walt Thomas Stadler damit beauf­tragt, mit dieser Recht­san­gele­gen­heit vor den Bun­des­gericht­shof zu ziehen. Wohlgesonnene Inter­nutzer haben Kom­pa inzwis­chen an die 30.000€ für diesen Rechtsstre­it überwiesen.

Vor­läu­fige Folgen

Weil Face­book-Pin­nwände rechtlich wie eigen­ständi­ge Inter­net­seit­en betra­chtet wer­den kön­nen, gilt die Haf­tung für Links möglicher­weise auch für Face­book-Pin­nwände. Das ist nicht ganz sich­er, aber wer möchte schon der Erste sein, der diese Frage vor Gericht ver­han­delt. Deswe­gen sollte man seine Face­book-Pin­nwand unbe­d­ingt vor den Blick­en von Nicht-Fre­un­den abschot­ten, wenn man ab und zu Youtube-Videos ver­linkt. Und schon ein “Gefällt mir”-Klick kann unter ein Ver­bre­it­en fall­en, wie es oben beschrieben wurde.

Ganz so gefährlich erscheinen mir Gefällt-mir-Angaben noch nicht zu sein. Aber man kann mit seinem Pro­fil­bild unge­fragt auf Inter­net­seit­en erscheinen, weil angek­lickt hat, dass man für die Seite selb­st oder einen Artikel der Seite, auf “Gefällt mir” gek­lickt hat. Früher gab es auf Face­book eine Ein­stel­lungsmöglichkeit, dies zu unterbinden. Inzwis­chen gibt es diese Ein­stel­lungsmöglichkeit aber nicht mehr.

Ganz sich­er sollte man sich wiederum auch nicht fühlen, wenn man auf Face­book dauernd auf Gefällt-mir-Knöpfe für Inter­net­seit­en klickt: In den USA z.B. kann man dafür gefeuert wer­den.