Die Gefahren eines Leistungsschutzrechts

Ich habe let­ztens davon geschrieben, dass in Ameri­ka ein ein­fach­er Gefällt-mir-Klick bei Face­book zum Ver­lust des eige­nen Jobs führen kann. Aber auch in Deutsch­land kann es jet­zt ungemütlich wer­den: Das geplante Leis­tungss­chutzrecht kön­nte zu ein­er neuen Welle von Massen­abmah­nun­gen führen.

Als Angela Merkel vor Kurzem gesagt hat, man müsse den Schutz des geisti­gen Eigen­tums weit­er­hin gewähren, dann weiß ich nicht, ob alle, die damals für diese Bemerkung geklatscht haben, wussten, wofür sie denn da ger­ade klatschen. Denn nun ist durch­gesick­ert, wie denn dieser Schutz seites der Bun­desregierung aussieht: Es ist ein Leis­tungss­chutzrecht geplant oder wie Recht­san­walt Udo Vet­ter meint, eine Arbeits­beschäf­ti­gungs­maß­nahme für Recht­san­wälte (der Recht­san­walt Till Kreutzer sieht das genau­so).

Worum geht es denn?
Im Inter­net wird viel kopiert. Einige dieser Inhalte sind aber vorher finanziert wor­den mit dem Ziel, dass die Her­steller von ihrer Finanzierung prof­i­tieren, nicht irgend­je­mand anders, der mit dem hergestell­ten Werk nichts zu tun hat. Es geht daher um den Wert von Arbeit.

Das klare Prob­lem: Z.B. auf der Seite der ISV wer­den sehr häu­fig Artikel der IVZ eingestellt. Dies ist rechtlich nur dann ok, wenn sich die IVZ hier­mit ein­ver­standen erk­lärt, schließlich bezahlt sie die Jour­nal­is­ten, die diese Artikel her­stellen.

Das Zita­trecht würde die Ver­wen­dung eines Teils solch­er IVZ-Artikel nur dann recht­fer­ti­gen, wenn sie Teil eines eige­nen Beitrages sind, indem auf die Zitate einge­gan­gen wird. Würde die IVZ gegen diese Artikele­in­stel­lun­gen kla­gen, hätte sie gute Chan­cen Recht zu bekom­men. Aber vielle­icht find­en sie es auch gut, dass ander­swo ihr Name auf­taucht. Dieses Recht­sprob­lem wird zudem heute schon durch Geset­ze ein­deutig geregelt.

Den Ver­la­gen stößt Google News dage­gen auf: Google ist ein kom­merzielles Unternehmen und prof­i­tiert von dieser Seite, die ohne eigenes, inhaltlich­es Zutun Kurzauszüge von Blog- und Zeitungsar­tikeln sicht­bar macht. Zwar prof­i­tieren die Zeitun­gen durch diese Seite, weil mehr Leute auf ihre eige­nen Seit­en kom­men. Dass aber auch irgend­wie Google davon prof­i­tiert, stört die Ver­leger.

Das Prob­lem der Abmah­n­welle: Das neue Leis­tungss­chutzrecht kön­nte aber das Zita­trecht noch weit­er ein­schränken. Durch dieses Gesetz kön­nen auch kle­in­ste Bauteile eines Artikels geschützt wer­den, also z.B. Über­schriften oder einzelne Sätze. Ver­lage, das sind diejeni­gen, denen Zeitun­gen gehören, kön­nen daher kla­gen, wenn Bruchteile von Artikeln, die ihnen gehören, woan­ders ste­hen. Beklagt wer­den kann nun eigentlich nur der­jenige, der eine gewerbliche Inter­net­seite hat, d.i. eine Inter­net­seite, auf der zumin­d­est Wer­bung ste­ht. Z.B. Google. Aber Google würde wohl auf ein Leis­tungss­chutzrecht so reagieren, dass man Zeitun­gen nicht mehr ver­linkt.

Tat­säch­lich kann natür­lich jed­er beklagt wer­den: Face­book-Nutzer, Twit­ter-Nutzer oder Blog­ger. Denn die Erfol­gsaus­sicht ein­er rechtlichen Klage­an­dro­hung besagt ja noch nichts über die sin­nvolle Inter­pre­ta­tion eines Geset­zes durch den Kla­gen­den. Ein­fach­er gesagt: Anwälte kön­nten Leute mit dem Ziel verk­la­gen, sie so einzuschüchtern, dass sie Geld zahlen, nur um keinen weit­eren Ärg­er zu haben. Ein solch­es Ver­fahren kön­nte, wenn es erfol­gre­ich ist, d.h. wenn viele Leute zahlen, eine Abmah­n­welle nach sich ziehen.

Was bedeutet das für die Nutzung von Face­book, Twit­ter, Stu­di­vz, OSC etc.?

Erst ein­mal muss man fes­thal­ten, dass wir hier bish­er nur über den Vorschlag zu einem Leis­tungss­chutzrecht sprechen. Vielle­icht kommt das Recht nicht so, wie es ger­ade vor­liegt. Aber man sollte sich darüber Gedanken machen, damit man nicht eines Tages über­rascht wird, weil man auf Face­book wegen eines Kleinz­i­tats verk­lagt wird.

Daher der­selbe Rate wie immer: Face­book- und Twit­ter-Pro­file vor den Augen Fremder abschließen, wenn man darüber als Per­son ein­deutig iden­ti­fiziert wer­den kann, oder gle­ich anonym nutzen.

Udo Vet­ter meint, man könne

den Ver­legern grat­ulieren, dass sie es tat­säch­lich geschafft haben, ihre Kanonen nun auf die von ihnen ohne­hin ungeliebte Nebenöf­fentlichkeit im Netz richt­en zu dür­fen. Neben dem finanziellen Ader­lass dürfte die abse­hbare Shock & Awe – Strate­gie ja auch den Effekt haben, dass sich weniger Men­schen trauen, selb­st Inhalte ins Netz zu stellen. Was wiederum etlichen anderen wieder die Zeit geben kön­nte, Geld für klas­sis­che Presse­pro­duk­te auszugeben.

Fast über­flüs­sig zu erwäh­nen, dass das Leis­tungss­chutzrecht die neue Mei­n­ungs­frei­heit bedro­ht. Wer als Bürg­er nur noch Zeitung lesen, aber nichts mehr im Inter­net dazu sagen darf, kann sich get­rost dig­i­tal kas­tri­ert vorkom­men. Insoweit ist das Leis­tungss­chutzrecht auch ein erster Schritt zurück in die Zeit, als die Medi­en alles, du und ich aber öffentlich nichts zu sagen hat­ten.

mehr
Wikimedia.de: Wikipedia bald ohne Weblinks?
Ste­fan Nigge­meier: Das Leis­tungss­chutzrecht — Sel­ten war es so tot wie heute
Kai Bier­mann: Von Pres­se­tex­ten soll­ten kün­ftig bess­er alle die Fin­ger lassen
Mario Six­tus: Wie man sich mit dem Leis­tungss­chutzrecht eine Google-Melk­mas­chine baut
ZAPP: Urhe­ber­recht — Selb­st­be­di­enung der Ver­lage

AG. Ein Epos aus den fernen Ländern">Buchtipp: Jan Oldenburg — Fantastik AG. Ein Epos aus den fernen Ländern

Die Ferien näh­ern sich. Höch­ste Zeit, sich um Lek­türe zu küm­mern, die man in der kom­menden Zeit mal durch­schmök­ern kann. Ich empfehle an dieser Stelle mal die Fan­tastik AG (Link zur Ver­lags­seite inkl. Leseprobe) von Jan Old­en­burg. Hier­bei han­delt es sich um eine witzige Phan­ta­sy-Geschichte eines Pro­fes­sors und seines Stu­den­ten, die in eine Märchen­welt ein­treten. Das Buch ist für alle, die Har­ry Pot­ter gut fan­den, denen aber die Über­set­zung vielle­icht doch etwas zu gestelzt vorkam. Dem Autor merkt man an, dass ihm das Uni­ver­sität­sleben nicht fremd ist. Jün­gere Leser wer­den dadurch nicht jede iro­nis­che Bemerkung ver­ste­hen. In so einem Fall ein­fach mal die Eltern fra­gen.

Inhalt
(wer sich durch das Buch über­raschen lassen möchte, über­springt den fol­gen­den Text bis zur zweit­en Schere)

Theodor Welk sieht ein­er trüben Zukun­ft ent­ge­gen: Er studiert im 27. Semes­ter Phan­tastik bei einem Pro­fes­sor, der auch noch densel­ben Namen wie er selb­st trägt. Aber das tut nichts zur Sache. Stu­den­ten der Phan­tastik bieten sich sowieso keine rosi­gen Aus­sicht­en: Der let­zte, der in diesem Fach seinen Dok­tor gemacht hat, arbeit­et inzwis­chen am Imbis­stand des Bahn­hofs. Jet­zt soll auch noch der Stu­di­en­gang gestrichen wer­den.

Etwas Aufre­gung kommt in sein Leben als er gemein­sam mit seinem Pro­fes­sor, Prof. Dr. phil. Dr. phan. Hierony­mus C. Welk (nicht ver­wandt oder ver­schwägert), im Hör­saal 043a eingeschlossen wird. Dort ent­deck­en sie den Ein­gang in das Reich der fer­nen Län­der.

Und so tre­f­fen sie auf skurile Fig­uren wie z.B. Hä, den Gott der Blöd­heit, seines Zeichens Namensge­ber für das antimagis­che Met­all Stu­pid­i­um. Diese Welt wird von der »Fan­tastik AG«, einem Bund dun­kler Kobolde, beherrscht, die nichts weniger im Sinn haben als den Wel­tun­ter­gang anstreben. Gelingt es dem Pro­fes­sor und seinem Zögling, den Kobold­en Ein­halt zu gebi­eten?

Altersempfehlung: Ab 12 Jahre, aber sicher­lich auch für Erwach­sene inter­es­sant
Preis: Das Buch kostet in gebun­den­er Form 14,99€, als Hör­buch 20,95€ und als E‑Book 11,99€.

Das gefilterte Internet

In diesem Beitrag habe ich über das manip­ulierte Inter­net geschrieben. Dort bezog ich mich darauf, dass einem Inter­net­nutzer Infor­ma­tio­nen, die er gebrauchen kann, voren­thal­ten wer­den. Die andere Seite der Medaille ist, dass Infor­ma­tio­nen im Inter­net oft so geballt auftreten, dass man dauernd einord­nen muss, was man gebrauchen kann und was nicht. Und es gibt auch Infor­ma­tio­nen, bei denen es nicht unbe­d­ingt schlecht ist, dass sie einen erre­ichen.

Vor ein paar Jahren habe ich im Zuge der Kriegsau­seinan­der­set­zun­gen der Amerikan­er mal nach Gewalt­tat­en gegen Amerikan­er gegooglet. Gefun­den habe ich Videos, die mich fast schon ver­stört haben. Die Gewalt­darstel­lun­gen waren wesentlich erschreck­ender als das, worauf ich gefasst war. Solche Videos waren ganz ein­fach auf den englis­chen Seit­en der Wikipedia ver­linkt. Auf den deutschen Seit­en nicht. Und ich fand es ganz gut, dass das so war. Google und Wikipedia, in der Form, wie deutsche Wikipedia-Schreiber sie hal­ten, haben Inhalte gefiltert, die ver­störende Wirkung haben. Diejeni­gen, die diese Inhalte unbe­d­ingt sehen wollen, wer­den Wege find­en, sie zu bekom­men.

Die Inter­nutzer sel­ber kön­nen auch fil­tern, was für Infor­ma­tio­nen sie erre­ichen sollen. Eine sehr beliebte Seite für Zeitungsnachricht­en aus unter­schiedlichen Quellen ist Google News. Wenn man ein Google-E-Mail-Kon­to hat und bei Google ein­gel­og­gt ist, kann man diese Seite für die eige­nen Inter­essen anpassen. Man klickt auf das Zah­n­rad über “Neueste Nachricht­en” und kann dort bes­timmte Nachricht­en­quellen (z.B. “Ibben­büren­er Volk­szeitung”) hinzufü­gen und andere (z.B. “BILD”) auss­chließen.

Über Blogs hat sich die Tech­nik von RSS-Feeds ver­bre­it­et. RSS-Feeds sind spezielle Inter­net­seit­en, die lediglich Texte und kaum Grafiken oder Wer­bung bein­hal­ten. Diese Seit­en sind abon­nier­bar in soge­nan­nten Fee­dread­ern (z.B. der Google Read­er). Und so geht’s:

Man kann auch ohne Google auskom­men, indem man z.B. für Fire­fox die Erweiterung News­fox instal­liert.

Und was sollte man so abon­nieren? Das hängt natür­lich ganz vom eige­nen Geschmack ab. Aber hier ein paar Tipps:

Manche Feeds wer­den nur als Snip­pets, d.h. Kurzein­träge, von den Seit­en geliefert. Abhil­fe schaf­fen hier Dien­ste wie http://fulltextrssfeed.com/, die aus Snip­pets-Feeds kom­plette Feeds machen.

Das manipulierte Internet

In Zusam­men­hang mit der Infor­ma­tion, dass die Sch­u­fa Face­book-Nutzer­dat­en auswerten will, d.h. dass man unter Umstän­den Infor­ma­tio­nen online stellt, die einem Nachteile erbrin­gen kön­nen, sollte man auch kurz einen Blick auf die andere Seite der Medaille wer­fen: Infor­ma­tio­nen, die uns nicht erre­ichen, weil es Nutzer­pro­file gibt.

Der Inter­ne­tak­tivist Eli Paris­er hat zu diesem The­ma im let­zten Jahr einen Vor­trag gehal­ten. Er warnt: Durch Nutzer­pro­file erre­ichen Inter­net­nutzer nur noch bes­timmte Infor­ma­tio­nen. Der Nutzer entschei­det nicht darüber, was für Infor­ma­tio­nen ihn erre­ichen. Dabei kön­nten genau solche Infor­ma­tio­nen, die ihn sys­tem­a­tisch nicht erre­ichen, wichtig für ihn sein.

(Der Vor­trag ist zwar auf englisch, man kapiert aber wichtige Infor­ma­tio­nen ohne jedes einzelne Wort zu ver­ste­hen.)

Schufa will Nutzerdaten aus Facebook und Twitter

[Update 08.06.2012: Das beteiligte Insti­tut hat das Pro­jekt inzwis­chen abge­blasen.]

Das größte deutsche Wirtschaft­sauskun­ft­sun­ternehmen Sch­u­fa, das mit­tler­weile 66,2 Mio. Per­so­n­en erfasst hat, möchte Dat­en von Benutzern aus Twit­ter und Face­book auswerten. Aus Tex­ten und Beziehun­gen sollen Rückschlüsse auf das Ver­braucherver­hal­ten und die Kred­itwürdigkeit von Per­so­n­en gemacht wer­den. Passende Pro­gramme sollen an der Uni­ver­sität Pots­dam entwick­elt wer­den.

Noch mehr Gründe also, dass eigene Pro­fil vor Blick­en ander­er zu schützen, so viele Fre­unde anzuhäufen, dass darüber keine sin­nvollen Schlüsse mehr gezo­gen wer­den kön­nen, Face­book nur mit Pseu­do­nym zu nutzen oder ganz zu ver­lassen.

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ethannonsequitur.com: You’re not the cus­tomer, you’re the prod­uct
Ham­burg­er Abend­blatt: Fir­men über­schätzen Ein­fluss von Face­book auf Ver­brauch­er
tante’s blog: Face­book und die Sch­u­fa

Zitierfreiheit nur bei bestimmten Zitatzwecken

Seit­dem diverse Poli­tik­er ihren Dok­tor­grad wieder abgeben durften, weil sie unko­r­rekt zitiert hat­ten, ist die Frage, wie man den wis­senschaftlich zitieren darf oft aufge­wor­fen wor­den (Man muss schlicht jedes Zitat kennze­ich­nen). Der Bun­des­gericht­shof hat nun klargestellt, wie das Zitieren im nicht wis­senschaftlichen Rah­men erfol­gen darf: Sel­tener als so manch­er dachte.

Ich für meinen Teil habe in der Grund­schule in diverse Schul­fre­unde-Büch­er geschrieben. Ich erin­nere mich, dass es neben den Fra­gen nach der Lieblingsmusik und den Lieblings­fil­men manch­mal auch am Ende Platz für einen eige­nen Gruß blieb. Den füll­ten manche mit ihrem Lieblingsz­i­tat. Wußten die wohl, dass sie damit gegen deutsches Recht ver­stießen?

Die Zitier­frei­heit ges­tat­tet es nicht, ein fremdes Werk nur um sein­er selb­st willen zur Ken­nt­nis der All­ge­mein­heit zu brin­gen. […] Die Ver­fol­gung des Zitatzwecks im Sinne des § 51 UrhG erfordert vielmehr, dass der Zitierende eine innere Verbindung zwis­chen dem frem­den Werk und den eige­nen Gedanken her­stellt und das Zitat als Beleg­stelle oder Erörterungs­grund­lage für selb­ständi­ge Aus­führun­gen des Zitieren­den erscheint.

laut­en die wesentliche Stelle in der Veröf­fentlichung des Bun­des­gericht­shof. Das bedeutet nichts anderes, als dass Zitate, wie man sie aus solchen Schul­fre­und­büch­ern, von Buchdeck­eln oder von Face­book-Pin­nwän­den ken­nt, streng genom­men gegen das Urhe­ber­recht ver­stoßen, so lange noch ein Urhe­ber­recht­sanspruch auf das entsprechende Werk beste­ht.

Natür­lich gilt auch hier: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber man kann sich eben nicht sich­er sein, dass nie­mand klagt, ger­ade nicht bezo­gen auf Face­book-Pin­nwän­den, die offen für jed­er­mann sind.

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WDR.de:  Karl Valentin und die Anwälte

Zu Besuch bei der integrativen Jugendarbeit: Was bedeutet denn Integration?

Es ist Dien­stagabend, etwas zu kalt für Juni, aber immer­hin ist die Sonne raus­gekom­men. Ich tre­ffe Richard Gemar, den Leit­er des Pro­jek­ts zur inte­gra­tiv­en Jugen­dar­beit in Ibben­büren, nach dem Jugend­hil­feauss­chuss vor der Sporthalle, erzäh­le etwas von der Sitzung, in der es auch um ihn ging, und dass man sich freue, dass nach seinen Sportver­anstal­tun­gen keine Bier­flaschen weg­geräumt wer­den müssten.

Ach, jee,

winkt Richard kopf­schüt­tel­nd ab,

das ist doch ganz falsch. Bei mir trinkt nie­mand. Ganz am Anfang, beim Mit­ter­nachtss­port, da kamen einige an und haben getrunk­en und ger­aucht. Da habe ich sie ins Gebet genom­men und gesagt, sie kön­nen gerne wieder kom­men — wenn sie nicht trinken und rauchen. Und das war’s. Aber das war in den 90ern.

Aber sowas hört man manch­mal. Ein­mal bin ich gefragt wor­den: ‘Richard, warum spuck­en die Rus­s­land-Deutschen vor die Sporthalle?’ Ich habe gefragt: ‘Wie kannst du an der Spucke erken­nen, dass sie von Rus­s­land-Deutschen ist?’ Nein, das machen Jugendliche, wenn sie anfan­gen zu rauchen. Dann spuck­en sie den ersten Monat lang. Das machen alle: Deutsche, Russen und Türken.

Aber bei mir raucht kein­er. Ich bin da etwas streng, sich­er, so war man bei uns. Der Lehrer ist der Chef, gegen den wird nichts gesagt. Damals wurde nicht genörgelt oder kri­tisiert. Ich weiß, hier ist das anders. Und ich habe mich auch geän­dert, ich bin ja schon 20 Jahre hier. Aber das hat früher gut funk­tion­iert.

Ich wende ein, dass die Dinge hier für Her­anwach­sende aber eben auch anders laufen — eben nicht so ein­fach wie früher. Meine Fre­undin kommt aus der Ukraine und ihre Ver­wandten von dort haben sich sehr zornig gezeigt, als der Staat ihr nach ihrem Studi­um nicht direkt eine Arbeitsstelle ange­boten hat. Richard lacht.

Ja, weißt du, wir haben früher dazu einen Witz gehabt. Da ruft jemand bei Stal­in an: “Genosse Stal­in, mir wird kein Job ange­boten.” — “Genosse Arbeit­er, wer leit­et ihre Kol­chose?”

Richard lacht. Ich ver­ste­he den Witz nicht.

Na, das ist so,

sagt Richard,

damals gab es ein Gesetz, dass jedem in der Sow­je­tu­nion ein Beruf zur Ver­fü­gung gestellt wird. Per Gesetz. Jed­er kriegt einen Job. Der Arbeit­er kriegt nun den Beruf des Kol­chose­führers und der geht nach Sibirien.

Inzwsichen trudeln die Teil­nehmer sein­er Gruppe ein. Ich besuche die Gruppe zum zweit­en Mal. Wenn ich von dieser Sport­gruppe bish­er etwas gel­ernt habe, dann das, mir meine eige­nen Vorurteile einzugeste­hen. Nicht alle Jugendlichen mit sow­jetis­chem Hin­ter­grund sind Deutsch-Russen. Einige sind durch aus in deutschen Sportvere­inen angemeldet. Das war unge­fähr so passend, wie meine Mei­n­ung, in der Sow­je­tu­nion sei grund­sät­zlich schlechteres Wet­ter als bei uns. Pustekuchen. In vie­len Teilen der ehe­ma­li­gen Sow­je­tu­nion ist das Kli­ma deut­lich angenehmer als in Deutsch­land. Richard ist meinem Vorhaben gegenüber, etwas über die Gruppe zu doku­men­tieren um Vorurteile abzubauen, skep­tisch. Es sei doch so, dass die einen Men­schen dies dächt­en und die anderen das. Er habe da nichts gegen.

Wenn “Russen” und “Deutsche” aufeinan­der tre­f­fen, sind der­art unter­schiedliche Ansicht­en aber nicht ungewöhn­lich. Wenn er eine Ungerechtigkeit ent­deckt, sagt der Deutsche: “Was eine Ungerechtigkeit! Wie ärg­er­lich! Da müssen wir was gegen tun!” und der Russe sagt: “Was eine Ungerechtigkeit! Wie ärg­er­lich! Da kann man wohl nichts machen. Haupt­sache, es erregt keine Aufmerk­samkeit!”

Ich komme mit eini­gen ins Gespräch. Das ist ein Jugendlich­er, der sich schon poli­tisch engagiert hat. Er hat sich damals für inte­gra­tive Sportar­beit aus­ge­sprochen. Seit den Erfahrun­gen, die er damals gemacht hat, möchte er sich nicht mehr öffentlich äußern. En Inter­view mit mir ist daher unmöglich, man kön­nte ihn an der Stimme erken­nen, sagt er. Ich lasse mir die Sach­lage erk­lären und kann mir vorstellen, welche Per­so­n­en er meint. Ob er nur keine Lust hat oder doch berechtigt Kon­se­quen­zen befürchtet? Ich würde let­zteres nicht auss­chließen wollen. Er hält die inte­gra­tive Sportar­beit für sehr sin­nvoll, es sollte mehr davon geben. Anson­sten wür­den die Leute Unsinn anstellen.

Ich erzäh­le, dass ich fest­gestellt habe, dass Unsere­inem gar nicht bewusst sei, wie oft man als Immi­grant mit komis­chem Ver­hal­ten der Nichtim­mi­granten zu tun hat. Davon kön­nen viele eine Geschichte erzählen. Ich habe gedacht, es seien Geschicht­en, die schon über­standen wären, die schon etwas her wären. Aber nein, mit sowas haben die Jugendlichen tagtäglich zu tun.

Ein Mäd­chen erzählt mir, dass sie aus der Klassen­stunde gewor­fen wor­den wäre, weil sie ein rus­sis­ches Wort aus­ge­sprochen hätte. Das finde ich irri­tierend, ger­ade weil ich neulich einen Ver­hal­tens­forsch­er gehört habe, der meinte, jed­er würde in der Sprache zählen, die er als allererstes gel­ernt hätte. Man legt dem­nach nicht alles ein­fach so ab, was man mal gel­ernt hat.

Ein anderes Mäd­chen erzählt, dass sie erst neulich gemerkt hat, dass ein Arbeit­skol­lege sich ihr gegenüber anders ver­hält, weil sie anders wäre, weil sie deutsch mit markant rol­len­dem R spräche. Ich frage sie, was sie vom Begriff Inte­gra­tion halte. Sie habe mal einen Vor­trag dazu in der Schule gehal­ten, sagt sie. Aber sie habe Schwierigkeit­en mit diesem Wort. Sie ver­hält sich nicht anders als die Immer-schon-Deutschen, hat einen nor­malen Beruf, spricht fließend deutsch, aber ob das schon Inte­gra­tion ist?

Ihre Fre­undin wun­dert sich darüber, dass ich über die Lage der immi­gri­erten, jun­gen Deutschen schreiben will:

Die Leute haben halt Vorurteile,

sagt sie,

das ist halt so. Das wird man auch nicht ändern kön­nen.

- Naja,

sage ich,

was immer Inte­gra­tion genau bedeuten soll, ich glaube nicht, das es heißt, dass man sich mit Diskri­m­inierun­gen abfind­en soll.

Datenschutz und weniger Werbung für den Browser

Ein­er­seits finanzieren sich viele Inter­net­seit­en über Wer­bung. Besucht man häu­figer Seit­en, die ihr Ange­bot darüber finanzieren, ist es eine Form von Fre­undlichkeit, diese Seit­en ab und an mit einem Klick auf die Wer­bung zu unter­stützen.

Aber man möchte auch nicht dauernd von klick­enden Wer­be­ban­nern gen­ervt wer­den. Dage­gen hil­ft das Plu­g­in Adblock, das es für Fire­fox und Chrome gibt.

Mit diesem Plu­g­in kann man aber auch das Laden von Twit­ter- und Face­book-Knöpfen unterbinden. Diese Knöpfe (engl. “But­tons”) dienen seit­ens der Anbi­eter nur dazu, mehr Infor­ma­tio­nen über den jew­eili­gen Inter­net­be­nutzer sam­meln zu kön­nen.

Um über Adblock diesen Knöpfen aus dem Weg zu gehen, klickt man in den Ein­stel­lun­gen des Plu­g­ins ein­fach auf “Neuer Fil­ter” und gibt diese Adresse an: https://adversity.googlecode.com/hg/Antisocial.txt.

Aktion Klehranlage — Haftung für Links

Eine Ver­linkung im Inter­net, und genauer: Das Set­zen eines Links von Per­so­n­en, die deutschem Recht unter­ste­hen, ist eine heik­le Sache. Und obwohl das Inter­net mehr als 20 Jahre alt ist, scheint die Rechtssprechung in diesem Fall noch in den Kinder­schuhen zu steck­en.

Lange Zeit herrschte unter Betreiber ein­er Inter­net­seite die irrtüm­liche Mei­n­ung, dass ein schriftlich­er Hin­weis, dass man keine Haf­tung für den Inhalt sein­er Links übernehme, aus­re­icht, um gegen rechtliche Schritte geschützt zu sein. Dem war aber nie so.

Der Mün­ster­an­er Anwalt und Zauber­er Markus Kom­pa dachte zumin­det, als er einen Link auf ein Youtube-Video set­zte, dass sich mit einem ange­blich Krebs heilen­den Arzt auseinan­der­set­zt, dass er damit nicht für den Inhalt des Videos ver­ant­wortlich ist. Der Arzt jedoch verk­lagte daraufhin Kom­pa und das Landgericht Ham­burg gab dem Arzt recht.

Dass das LG Ham­burg ins Spiel gebracht wurde, ist nicht ganz ver­wun­der­lich. In Inter­ne­tan­gele­gen­heit­en rufen Kläger gerne dieses Landgericht an, das ein fliegen­der Gerichts­stand ist und als einziges Gericht in Deutsch­land Kla­gen bzgl. Inter­net­seit­en annimmt, nur weil diese auch im eige­nen Bun­des­land aufruf­bar sind. Das Gericht urteilte, dass man einen Inhalt durch einen Link ver­bre­it­et und deswe­gen dafür ver­ant­wortlich ist, auch wenn man sich dessen Inhalt nicht zu eigen macht.

Das heißt, folge ich dem Gericht, darf ich das betr­e­f­fende Video an dieser Stelle nicht ver­linken. Aber ich kann sagen, wie man es find­et: Wenn man z.B. youtube aufruft und “Klehr ZDF” ein­gibt. Wenn ich das Gericht richtig ver­standen habe, muss ein Leser dieser Zeilen dann einen eige­nen Rechercheaufwand betreiben (“Klehr ARD” und “Klehr quer” sind übri­gens auch inter­es­sant).

Ander­er­seits würde diese Auf­fas­sung eine deut­liche Ein­schränkung der Prax­is des Linkset­zen bedeuten: Wer will schon Haf­tung über eine ver­link­te Seite nehmen, von der man gar nicht weiß, welche Inhalte dort inzwis­chen dargestellt wer­den.

Aktion Klehran­lage

Weil er mit dem Urteil alles andere als ein­ver­standen ist, hat Markus Kom­pa den Recht­san­walt Thomas Stadler damit beauf­tragt, mit dieser Recht­san­gele­gen­heit vor den Bun­des­gericht­shof zu ziehen. Wohlgesonnene Inter­nutzer haben Kom­pa inzwis­chen an die 30.000€ für diesen Rechtsstre­it über­wiesen.

Vor­läu­fige Fol­gen

Weil Face­book-Pin­nwände rechtlich wie eigen­ständi­ge Inter­net­seit­en betra­chtet wer­den kön­nen, gilt die Haf­tung für Links möglicher­weise auch für Face­book-Pin­nwände. Das ist nicht ganz sich­er, aber wer möchte schon der Erste sein, der diese Frage vor Gericht ver­han­delt. Deswe­gen sollte man seine Face­book-Pin­nwand unbe­d­ingt vor den Blick­en von Nicht-Fre­un­den abschot­ten, wenn man ab und zu Youtube-Videos ver­linkt. Und schon ein “Gefällt mir”-Klick kann unter ein Ver­bre­it­en fall­en, wie es oben beschrieben wurde.

Ganz so gefährlich erscheinen mir Gefällt-mir-Angaben noch nicht zu sein. Aber man kann mit seinem Pro­fil­bild unge­fragt auf Inter­net­seit­en erscheinen, weil angek­lickt hat, dass man für die Seite selb­st oder einen Artikel der Seite, auf “Gefällt mir” gek­lickt hat. Früher gab es auf Face­book eine Ein­stel­lungsmöglichkeit, dies zu unterbinden. Inzwis­chen gibt es diese Ein­stel­lungsmöglichkeit aber nicht mehr.

Ganz sich­er sollte man sich wiederum auch nicht fühlen, wenn man auf Face­book dauernd auf Gefällt-mir-Knöpfe für Inter­net­seit­en klickt: In den USA z.B. kann man dafür gefeuert wer­den.

Kindersommerkarussell 2012

 

Die Vor­bere­itun­gen für das Kinder­fe­rien­pro­gramm, das in diesem Jahr bere­its zum sech­sten Mal von der Stadt­mar­ket­ing Ibben­büren GmbH in Koop­er­a­tion mit dem Ibben­büren­er Bünd­nis für Fam­i­lie aus­gerichtet wird, sind abgeschlossen. Erfreulicher­weise haben sich wieder viele Vere­ine, Unternehmen und auch Pri­vat­per­so­n­en aus Ibben­büren und Umge­bung bere­it erk­lärt, das Kinder­Som­merKarus­sell mit kreativ­en Ideen und erleb­nis­re­ichen Ange­boten zu unter­stützen. So kön­nen Kinder im Alter von 5–14 Jahren aus rund 80 Ver­anstal­tun­gen wählen, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Zudem kon­nten wir einige neue Ver­anstal­ter ins Boot holen. Ein beson­deres High­light ist zum Beispiel ein ganztägiges Fußball­camp, welch­es von der mobilen Fußballschule auf den Sport­plätzen des SV Dick­en­berg aus­gerichtet wird. Außer­dem kann in diesem Jahr erst­mals hin­ter die Kulis­sen des tech­nis­chen Hil­f­swerks geschaut wer­den. Und wer schon immer ein­mal wis­sen wollte, was Wing Chun ist und wie man damit sein Selb­stver­trauen verbessern kann, ist bei den „action­re­ichen Ferien“ genau richtig.

Wie in den ver­gan­genen Jahren wurde ver­sucht neben der Vielzahl an Ver­anstal­tun­gen, die allen Alters­grup­pen und Vor­lieben der Kinder gerecht wer­den, die Ange­bote möglichst kostengün­stig zu gestal­ten. Wie bere­its im let­zten Jahr beste­ht die Möglichkeit für die Kinder­Som­merKarus­sell Ange­bote einen Bil­dungss­check einzulösen.

Wer sich schon ein­mal einen Ein­blick über das bre­it gefächerte Ange­bot machen möchte, kann das Pro­gramm jet­zt schon unter http://www.kindersommerkarussell.de/ ein­se­hen. Das Pro­grammheft kann in der T‑Info, dem Rathaus, der Stadt­bücherei und vie­len weit­eren Aus­lagestellen abge­holt wer­den. In diesem Jahr wer­den erst­mals keine Pro­grammhefte in den Schulen verteilt. Oder laden Sie es hier herunter!

Anmelden kann man sich vom 26. Mai – 17. Juni wieder auss­chließlich online, auf http://www.kindersommerkarussell.de/.